Niederlande Insgesamt drei Verdächtige nach Schüssen in Utrecht festgenommen

  • In einer Straßenbahn im niederländischen Utrecht wurden drei Menschen durch Schüsse getötet und mehrere verletzt.
  • Die Polizei schließt neben einem terroristischen Motiv auch eine Beziehungstat nicht aus, Ministerpräsident Rutte spricht von einem "Anschlag".
  • Der mutmaßliche Täter und zwei weitere Verdächtige wurden mittlerweile festgenommen.

Bei den Schüssen in einer Straßenbahn in Utrecht sind drei Menschen getötet worden. Das gab der Bürgermeister der niederländischen Stadt bekannt. Außerdem seien fünf Menschen verletzt worden, drei davon sollen sich in ernstem Zustand befinden, teilte die Polizei mit.

Der mutmaßliche Schütze ist nach Angaben der Polizei am Abend nach einer mehrstündigen Fahndung festgenommen worden. Der Zugriff sei am Abend bei einer Wohnungsdurchsuchung im Utrechter Zentrum erfolgt, teilten die Ermittler mit. Bei dem Festgenommenen handele es sich um Gökmen T. Dem niederländischen Justizminister Ferdinand Grapperhaus zufolge ist der 37-Jährige vorbestraft. "Er hat Vorstrafen. Das ist in der Tat, was wir wissen. Weitere Einzelheiten kann ich nicht geben." Es sei zu früh, zu sagen, ob der Verdächtige ein terroristisches Motiv gehabt habe. Die Schüsse seien vermutlich aus einer automatischen Waffe abgefeuert worden.

Später am Montagabend nahm die Polizei noch zwei weitere Verdächtige fest. Allerdings seien noch keine Details zu seiner möglichen Beteiligung bekannt, berichteten die Medien. Über die Identität der Opfer wurden keine Angaben gemacht. Grapperhaus wollte nicht sagen, ob der mutmaßliche Täter sie kannte.

Die Polizei zieht bei ihren Untersuchungen der Tat aber dennoch "ein mögliches terroristisches Motiv in Betracht", schließt aber auch eine Beziehungstat nicht aus. Die genauen Hintergründe des Vorfalls sind aber weiterhin nicht geklärt. Dass an mehreren Orten Schüsse gefallen seien, wurde inzwischen wieder dementiert.

Direkt nach den Schüssen hatte die Polizei dazu aufgerufen, die Häuser nicht zu verlassen. Alle Schulen und die Universität Utrecht sollten verriegelt, die Moscheen in der Stadt geschlossen bleiben. Mittlerweile gibt die Polizei Entwarnung. Die Menschen könnten wieder auf die Straße gehen.

Ministerpräsident Mark Rutte hatte einen terroristischen Hintergrund nicht ausgeschlossen. Er sprach auf einer Pressekonferenz von einem "Anschlag" in Utrecht. Bereits zuvor hatte er gesagt, die Regierung wolle zu Krisengesprächen zusammenkommen. Einem Rundfunkbericht zufolge wurden die Sicherheitsvorkehrungen am Regierungssitz in Den Haag verstärkt. Auch der Anti-Terror-Koordinator habe ein Krisentreffen einberufen.

Erste Berichte über den Vorfall hatten die Polizei ihren Angaben zufolge um 10:45 Uhr erreicht. Die Schüsse fielen in der Gegend des 24 Oktoberplein, dem Platz des 24. Oktober. Wie der niederländische Journalist Yelle Tieleman auf Twitter unter Berufung auf Augenzeugen schreibt, zog ein Mann in der Straßenbahn eine Waffe und schoss auf mehrere Menschen.

Utrecht ist mit knapp über 350 000 Bewohnern die viertgrößte Stadt der Niederlande und liegt etwa 75 Kilometer entfernt von der deutschen Grenze. Sie ist bekannt für ihre pittoresken Kanäle und das Studentenleben. Etwa ein Drittel der Bewohner hat einen Migrationshintergrund. Größere Minderheiten haben zum Beispiel marokkanische, türkische oder surinamische Wurzeln. Verbrechen mit Schusswaffen sind in den Niederlanden sehr selten.

Anmerkung der Redaktion

In der Regel berichtet die SZ nicht über ethnische, religiöse oder nationale Zugehörigkeiten mutmaßlicher Straftäter. Wir weichen nur bei begründetem öffentlichen Interesse von dieser im Pressekodex vereinbarten Linie ab. Das kann bei außergewöhnlichen Straftaten wie Terroranschlägen oder Kapitalverbrechen der Fall sein oder bei Straftaten, die aus einer größeren Gruppe heraus begangen werden (wie Silvester 2015 in Köln). Ein öffentliches Interesse besteht auch bei Fahndungsaufrufen oder wenn die Biografie einer verdächtigen Person für die Straftat von Bedeutung ist. Wir entscheiden das im Einzelfall und sind grundsätzlich zurückhaltend, um keine Vorurteile gegenüber Minderheiten zu schüren.