bedeckt München
vgwortpixel

USA:Wer reich ist, gönnt sich seine private Feuerwehr

Gut versichert? Immer wieder gehen auch Villen bei Waldbränden (im Bild: Feuerwehrkräfte im Einsatz in Corona, Kalifornien) in Flammen auf.

(Foto: Watchara Phomicinda/AP)

Um ihre Luxusvillen vor Buschbränden zu schützen, heuern in Kalifornien immer mehr Menschen eigene Rettungskräfte an - die schon kommen, bevor überhaupt ein Feuer ausbricht.

Reichtum schützt vor unangenehmen Anrufen des Sparkassenberaters, vor Gedränge im öffentlichen Nahverkehr und vor gesperrten Kreditkarten. Und in Kalifornien schützt Reichtum sogar vor Feuer. Immer mehr wohlhabende Kalifornier gönnen sich ihre eigene private Feuerwehr, die ausrückt, schon bevor die Villa in Flammen steht. Nach getaner Arbeit rufen sie an und schicken eine E-Mail mit Fotos: Siehe, dein Eigenheim ist sicher.

Geschickt werden die Feuerwehrleute von den Versicherungen der Hausbesitzer, sie steuern die Einsatzkräfte auch aus ihren sogenannten "Intelligence"- oder "Command"-Zentralen. Die Firmen lassen sich die Zusatzleistung natürlich fürstlich entlohnen. Zwischen mehreren Zehntausend und mehr als 100 000 Dollar kosten die Immobilien-Policen im Jahr, je nach Art des Schutzes und Zahl und Größe der Häuser.

Die Brandschutz-Söldner kommen auf das versicherte Grundstück, löschen schwelendes Buschwerk und pumpen Pools dafür leer. Sie verteilen ein flammensicheres Spezialschutz-Gel wie einen Wall um das Haus. Sie legen Sprinkleranlagen durch die Gärten, manchmal samt Generator und Wassertank. Sie entfernen Büsche, Äste und Möbel, die leicht brennen können. Manches Haus blieb deshalb in diesem Spätsommer von den verheerenden Wald- und Buschbränden verschont, während vom Heim des Nachbarn nur Schutt und Asche übrig waren.

In den Weingebieten nördlich von San Francisco waren die Flammen besonders verheerend in diesem Oktober. 43 Menschen starben, 9000 Gebäude brannten nieder. "Die Winde waren so entsetzlich, sie bliesen so hart, dass das Feuer wie ein Flammenwerfer war", sagt Scott McLean, der Vizechef der offiziellen, staatlichen Feuerwehr Cal Fire. Aufhalten könne auch die private Konkurrenz so eine Feuerfront nicht, aber dazu sei sie ohnehin nicht im Einsatz. Den privaten Kräften gehe es nur darum, die Häuser der zahlenden Kundschaft so zu präparieren, damit sie die Flammen möglichst ohne Schaden überstehen. Die 11 000 staatlichen Feuerwehrleute dagegen kümmerten sich darum, den Brand selbst stoppen - und zwar überall gleich und so gut sie können, sagt McLean. "Wir diskriminieren nicht."

Die Versicherungsfirmen haben keine eigenen Feuerwehrleute, sondern heuern private Brandschutzfirmen an. Im Fall der Versicherung Chubb heißt das Unternehmen Wildfire Defense Systems. Im Angebot hat Chubb die Spezial-Police schon seit einer ganzen Weile, sie habe bereits Millionen Dollar an Immobilienwerten gesichert, gibt das Unternehmen an. Seit den Bränden der vergangenen Monate ist der Zulauf noch einmal rasant gewachsen, berichtet das Wall Street Journal. "Abschlüsse haben dramatisch zugenommen in den vergangenen Jahren, als die Leute sahen, wie wir Häuser retteten", sagt Chubb-Manager Paul Krump. "Sie steigen sprunghaft an." Auch andere Versicherungskonzerne, darunter AIG, Privilege Underwriters Reciprocal Exchange und USAA, haben ähnliche Angebote.

Verbraucherschützer sehen das Ganze kritisch

Typischerweise greifen Versicherungen ein, wenn ein Schaden eingetreten ist. Guten Schutz vor finanziellen Konsequenzen konnten sich Besserverdiener schon immer eher leisten als die, die auf das Geld eigentlich mehr angewiesen wären. Dass Versicherungen zu Sicherheitsfirmen werden, die schon vor dem Schaden eingreifen, ist ein relativ neues Phänomen, das nun mehr und mehr an Bedeutung gewinnt, weil die Brände so schlimm und die Staatsfeuerwehrleute so überlastet waren.

Verbraucherschützer sehen das Ganze kritisch. "Gefällt uns dieses Zweiklassensystem für begüterte Menschen und Leute mit weniger Mitteln? Nein", sagte Amy Bach, Chefin des auf die Versicherungsbranche spezialisierten Verbraucherschutzvereins United Policyholders, dem Wall Street Journal. Andererseits sei natürlich jeder Hausbrand, der verhindert wird, eine gute Sache, sagte sie. "Wollen wir, dass ihr Ansatz funktioniert? Ja!"

© SZ vom 16.11.2017/eca
Zur SZ-Startseite