USA:Wo kommen Clowns eigentlich her?

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Historisch waren Clowns zunächst gar nicht zur Belustigung von Kindern und Erwachsenen da. Sie gehen zurück auf die Figur des Hofnarrs, der über die Mächtigen herzog, dabei aber oft mit seinem eigenen Leben spielte. Der Narr war ein Außenseiter, ein Verrückter, nicht selten kam er aus einer niederen sozialen Schicht, war psychisch oder physisch auffällig, kleinwüchsig oder behindert. Er entsprach der Norm also von Anfang an nicht und mithilfe von Kleidung, Schminke und skurrilen Auftreten dann noch weniger.

Der Clown war daher schon immer eine Figur, die Grenzen überschritt und deren Verhalten unberechenbar war. Dass durch die auffällige Schminke die echte Mimik in den Hintergrund trat, machte ihn nicht vertrauenswürdiger - vor allem, wenn man ihm abseits der Bühne begegnete.

Das Make-Up von Zirkusclowns müsse auf 50, 60 Metern Entfernung funktionieren, erklärt Klinikclown Ulrich Fey in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Der "dumme August" verkörpere dabei das unschuldige Kind, das freundlich gekleidet und bunt bemalt die Zuschauer durch Tollpatschigkeit zum Lachen bringt. Sein Gegenspieler ist der "Weißclown", der die Norm symbolisiert und in weiß und schwarz geschminkt auftritt. Fey schreibt: "Verlassen die Figuren ihren Bezugsrahmen Zirkus wirken sie schnell bedrohlich."

Gibt es Vorbilder für die Horror-Clowns?

Natürlich hat es auch schon Clowns gegeben, die tatsächlich kriminell waren, zum Beispiel ging John Wayne Gacy als "Killer Clown" in die Justizgeschichte ein. Mithilfe seiner Erfolge als Clown Pogo machte er sich in den 1970er Jahren an 33 Jungen und junge Männer heran, missbrauchte und tötete sie. 1994 wurde Gacy hingerichtet, nachdem er jahrelang aus dem Gefängnis heraus selbstgemalte Clownsbilder verkauft hatte. Ebenfalls in den 1990ern schuf Stephen King dann die Figur Pennywise für seinen Horrorschocker "Es": ein Clown mit feuerroten Haaren und gelbem Strampelanzug, der kleine Kinder umbringt.

Es verwundert also nicht, wenn man vielerorts von der Sheffield-Studie liest, die angeblich im Jahr 2008 nachgewiesen habe, dass Kinder sich vor Clowns fürchten. Sie tat das allerdings mit Porträtfotos von grotesk geschminkten Zirkusclowns. Daraus abzuleiten, dass Minderjährigen besser kein Kontakt zu rotnasigen Geburtstagstollpatschen zugemutet werden sollte, wäre falsch.

Richtig ist, dass Clowns immer schon ambivalente Figuren waren. Über die Absichten der verkleideten Person gibt das Kostüm aber leider keine Auskunft - weder im guten, noch im schlechten Sinne.

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