USA:Wer hat Angst vorm Grusel-Clown?

Lesezeit: 4 min

´Creepy Clowns" - Menschen in Clownskostümen

Welche Absicht der Mensch im Kostüm hat? Eine Clownsmaske gibt keine Antwort.

(Foto: dpa)

Meldungen über Kriminelle in Clownsmasken häufen sich. Grund zur Panik? Eher nicht.

Von Barbara Vorsamer

Was ist passiert?

Nicht viel, könnte man hier einfach antworten. Doch das würde denen, die von gruseligen Clowns in den vergangenen Wochen in Angst und Schrecken versetzt wurden, sehr zynisch vorkommen. Wie viele Menschen ernsthaft geschädigt wurden, ist schwer zu sagen: Von "mehreren hundert Fällen" schrieb die Washington Post Anfang Oktober, bezieht sich dabei allerdings auf gesichtete Clowns, nicht auf Straftaten.

Meistens bleibt es dabei, dass die als Clowns maskierten Täter Passanten erschrecken - in einigen Fällen allerdings, indem sie eine Kettensäge, Messer oder Baseballschläger schwenken. Auch von Tätern, die im Schutz der Maske Diebstähle begehen, berichtet die Polizei. In mehreren Fällen kam es dabei zu Verletzten.

Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Oliver Malchow, spricht von "schwersten Straftaten". Zwar ist das Verkleiden an sich nicht verboten. Doch sobald sich jemand verletzt oder der Täter sein Opfer bedroht, liegt ein Straftatbestand vor.

Wo sind die Horror-Clowns gesichtet worden?

Zuerst ist das Phänomen Anfang August im US-Bundesstaat South Carolina aufgetreten. Dort musste die Polizei Informationen nachgehen, wonach als Clowns verkleidete Männer Kinder in den Wald lockten. Die Vorwürfe stellten sich als falsch heraus, doch seitdem tauchen allerorten Horror-Clowns auf.

Inzwischen behaupten zahlreiche Medien, dass eine "Horror-Clown-Welle" mit Dutzenden Fällen auf Großbritannien, Australien, Schweden und Deutschland übergeschwappt sei.

Die britische Polizei befürchtet, dass es sich nicht nur um Einzeltäter und Trittbrettfahrer handelt, sondern möglicherweise etwas Größeres dahinterstecke. In diesem Zusammenhang untersuche sie verschiedene Profile in sozialen Netzwerken. Eine ähnliche Grusel-Clown-Welle gab es 2014 in Frankreich.

Warum ist die Panik so groß?

Horror-Clown-Videos sind virale Hits, manches sogenannte "Prank Video" ("prank" ist der englische Begriff für Streich) wird auf Youtube zig Millionen Mal angeschaut. Und je öfter die Menschen etwas sehen, desto eher halten sie es für wahr. Die Washington Post zitiert in diesem Zusammenhang den Wissenschaftler Loren Coleman, der mystische Phänomene wie das Monster von Loch Ness erforscht. Er tut die Diskussion um Horror-Clowns als damit vergleichbare Massenhysterie ab.

Ja, anders als Nessie gibt es kriminelle Clowns wirklich. Die Panik steht jedoch in keinem Verhältnis zur bestehenden Gefahr.

Wie reagieren andere Clowns auf die Horror-Clown-Meldungen?

Es handele sich bei den maskierten Erschreckern keinesfalls um "echte Clowns", lassen die mitteilen, die sich selbst dafür halten: die lustigen Kindergeburtstags-Quatschmacher mit den großen Schuhen und den roten Nasen. Bibbledy Bob vom britischen Verband "Clown International" lässt verlauten, dass "diese Idioten" vieles kaputt machen würden. Er befürchtet, dass echten Clowns größerer Imageschaden entstehen könnte, der sie Einkommen und sogar ihre berufliche Existenz kosten könnte.

Auch der Verband "Clowns in Medizin und Pflege Deutschland" nimmt Anstoß an dem Phänomen der Grusel-Clowns und spricht ihnen den Begriff Clown ab. Medien sollten diese Maskenträger lieber "Grinsefratzen" nennen und ihnen weniger Aufmerksamkeit widmen, heißt es in einer Mitteilung des Verbandes. Die Späße der Klinikclowns gingen niemals auf Kosten anderer, sondern sie seien positive Figuren, die "bunte Momente schenken" und aufheitern wollten.

Fast-Food-Konzern McDonalds hat auf die Clown-Hysterie reagiert, indem er seinem Maskottchen Ronald McDonald eine Zwangspause verordnet hat. Zahlreiche Läden in den USA verkaufen wenige Tage vor Halloween keine Clownskostüme mehr. Unter anderem hat Target, eine der größten Einzelhandelsketten, sämtliche Clownsaccessoires aus dem Sortiment genommen.

Zu besonders scharfen Mitteln griff ein Landkreis in Missouri: Im Kemper Country ist es dieses Jahr verboten, sich öffentlich in einem Clownskostüm zu zeigen. Die Washington Post kommentierte, dass dieses Verbot vermutlich gegen die amerikanische Verfassung verstoße.

Wo kommen Clowns eigentlich her?

Historisch waren Clowns zunächst gar nicht zur Belustigung von Kindern und Erwachsenen da. Sie gehen zurück auf die Figur des Hofnarrs, der über die Mächtigen herzog, dabei aber oft mit seinem eigenen Leben spielte. Der Narr war ein Außenseiter, ein Verrückter, nicht selten kam er aus einer niederen sozialen Schicht, war psychisch oder physisch auffällig, kleinwüchsig oder behindert. Er entsprach der Norm also von Anfang an nicht und mithilfe von Kleidung, Schminke und skurrilen Auftreten dann noch weniger.

Der Clown war daher schon immer eine Figur, die Grenzen überschritt und deren Verhalten unberechenbar war. Dass durch die auffällige Schminke die echte Mimik in den Hintergrund trat, machte ihn nicht vertrauenswürdiger - vor allem, wenn man ihm abseits der Bühne begegnete.

Das Make-Up von Zirkusclowns müsse auf 50, 60 Metern Entfernung funktionieren, erklärt Klinikclown Ulrich Fey in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Der "dumme August" verkörpere dabei das unschuldige Kind, das freundlich gekleidet und bunt bemalt die Zuschauer durch Tollpatschigkeit zum Lachen bringt. Sein Gegenspieler ist der "Weißclown", der die Norm symbolisiert und in weiß und schwarz geschminkt auftritt. Fey schreibt: "Verlassen die Figuren ihren Bezugsrahmen Zirkus wirken sie schnell bedrohlich."

Gibt es Vorbilder für die Horror-Clowns?

Natürlich hat es auch schon Clowns gegeben, die tatsächlich kriminell waren, zum Beispiel ging John Wayne Gacy als "Killer Clown" in die Justizgeschichte ein. Mithilfe seiner Erfolge als Clown Pogo machte er sich in den 1970er Jahren an 33 Jungen und junge Männer heran, missbrauchte und tötete sie. 1994 wurde Gacy hingerichtet, nachdem er jahrelang aus dem Gefängnis heraus selbstgemalte Clownsbilder verkauft hatte. Ebenfalls in den 1990ern schuf Stephen King dann die Figur Pennywise für seinen Horrorschocker "Es": ein Clown mit feuerroten Haaren und gelbem Strampelanzug, der kleine Kinder umbringt.

Es verwundert also nicht, wenn man vielerorts von der Sheffield-Studie liest, die angeblich im Jahr 2008 nachgewiesen habe, dass Kinder sich vor Clowns fürchten. Sie tat das allerdings mit Porträtfotos von grotesk geschminkten Zirkusclowns. Daraus abzuleiten, dass Minderjährigen besser kein Kontakt zu rotnasigen Geburtstagstollpatschen zugemutet werden sollte, wäre falsch.

Richtig ist, dass Clowns immer schon ambivalente Figuren waren. Über die Absichten der verkleideten Person gibt das Kostüm aber leider keine Auskunft - weder im guten, noch im schlechten Sinne.

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