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Coronavirus in den USA:Brüder spenden 17 700 Flaschen Desinfektionsmittel

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Desinfektionsmittel ist begehrte Ware. Dass es Menschen gibt, die versuchen, davon zu profitieren, ist zwar unschön, aber wenig überraschend.

(Foto: AFP)
  • Zwei Brüder im US-Bundesstaat Tennessee haben tausende Flaschen Desinfektionsmittel gehortet und versucht, sie auf Amazon und Ebay mit Preisaufschlag zu verkaufen.
  • Inzwischen ermittelt die Generalstaatsanwaltschaft von Tennessee - und die beiden entschlossen sich plötzlich dazu, die Ware zu spenden.

Es ist eine Nachricht, die in Corona-Zeiten auf den ersten Blick nach einer rührenden Geschichte klingt: Ein Mann aus dem US-Bundesstaat Tennessee hat ganze 17 700 Flaschen Desinfektionsmittel an Ersthelfer gespendet. Das berichtet die New York Times.

Dahinter steckt in Wahrheit jedoch wohl keine altruistische Tat, sondern der letzte, verzweifelte Versuch, ohne Strafe davonzukommen. Matt C. hatte schlicht keine Alternative. Nachdem die Generalstaatsanwaltschaft von Tennessee Ermittlungen wegen Preistreiberei eingeleitet hat, versucht der 36-Jährige nun nicht nur seinen Ruf zu retten.

Begonnen hatte die Geschichte am 1. März - dem Tag, an dem in den USA die erste Person infolge des Coronavirus gestorben war. C. zog mit seinem Bruder los und kaufte Hände-Desinfektionsmittel: Über mehrere Tage hinweg sollen die beiden mehr als 1300 Kilometer durch Supermärkte, Drogerien und Haushaltswarengeschäfte getourt sein und tausende Flaschen ergattert haben.

Diese versuchte C. dann auf Amazon und Ebay weiterzuverkaufen - natürlich mit Preisaufschlag. Die Flaschen sollen zwischen acht und 70 US-Dollar gekostet haben. "Es war verrückt viel Geld", sagte C. der Times. Besonders weit kamen die Brüder allerdings nicht. Nach etwa 300 verkauften Flaschen bemerkte Amazon in der vergangenen Woche die Vorgänge und nahm alle von ihnen angebotenen Produkte von der Plattform, am Sonntag folgte Ebay.

Matt C. saß nun gewissermaßen auf einer Garage voller Desinfektionsmittel. Der Druck, die Ware loszuwerden stieg stündlich, als die Öffentlichkeit davon erfuhr. Der Artikel in der New York Times, der am Samstag erschien, provozierte etliche wütende Kommentare in den sozialen Medien. Matt C. soll auch Schmähbriefe und sogar explizite Todesdrohungen bekommen haben.

Der Times erzählte der Krisenprofiteur derweil, dass er in den vergangenen zehn Jahren schon oft mit derselben Strategie Dinge im Internet verkauft habe. Die Supermärkte hätten nie ein Problem gehabt, die Produkte in ihren Regale zu ersetzen. "Als wir diesen Einkaufstrip gemacht haben, habe ich nicht gedacht, dass es für die Geschäfte nicht möglich sein würde, die Regale wieder auffüllen zu lassen."

Im US-Bundesstaat Tennessee wurde am Donnerstag wegen des Coronavirus der Notstand ausgerufen. Momentan gibt es dort etwa 40 bestätigte Fälle. "Wir werden in diesen Zeiten des außergewöhnlichen Bedarfs keine Preistreiberei dulden, und wir werden aggressive Maßnahmen ergreifen, um so etwas zu verhindern", schrieb die Generalstaatsanwaltschaft in einer Mitteilung. Diesen aggressiven Maßnahmen ist Matt C. jetzt möglicherweise knapp zuvorgekommen.

© SZ/mpu/olkl/olkl
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