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Schusswaffen:Teleshopping-Sender zum Verkauf von Waffen startet im Januar in den USA

"Gun TV" strebt in den USA ein 24-Stunden-Programm an. Die Waffen werden jedoch nicht direkt zu den Kunden nach Hause geliefert.

In den USA startet Anfang Januar ein Teleshopping-Sender zum Verkauf von Waffen. Ziel sei es, die Produkte "auf verantwortungsvolle Weise" anzubieten, sagte eine Sprecherin des Senders Gun TV.

Die Mitbegründerin des Senders, Valerie Castle, sagte dem britischen Guardian, es sei eine Möglichkeit gesehen worden, "auf einen Bedarf zu reagieren, nicht einen zu schaffen". Sie glaube nicht, dass durch Gun TV mehr Waffen in Umlauf kämen. Präsentiert würden aber nicht nur Waffen, so Castle, sondern der Sender wolle seinen Zuschauern auch Informationen über die Waffenherstellung und -materialien geben: "Welches Holz für den Griff verwendet wurde, zum Beispiel." Castle verspricht außerdem: "atemberaubende" Kulissen.

Da sich das Studiogelände von Gun TV in Kalifornien befindet, können Schieß-Demonstrationen dort wegen geltender Gesetze nicht live durchgeführt werden, sondern sollen in anderen Bundesstaaten gedreht werden. Die Produkte sollen unter anderem von ehemaligen Soldaten und Scharfschützen vorgeführt werden, heißt es auf der Seite des Senders, der schreibt, dass die USA "die bestbewaffnete Zivilbevölkerung der Welt" habe.

Darum werden die Waffen nicht direkt zu den Kunden nach Hause geschickt

Gun TV ist sowohl per Satellit als auch per Kabel zu empfangen und will zunächst sieben Tage die Woche nachts zwischen ein und sechs Uhr auf Sendung gehen, langfristiges Ziel ist aber ein 24-Stunden-Programm. Anders als bei anderen Teleshopping-Sendern sollen die Produkte allerdings nicht direkt zum Kunden, sondern an den nächstgelegenen Einzelhändler geschickt werden. Dort kann der Kunde die bestellten Waffen abholen, nachdem er die zuvor notwendigen Formalien erledigt hat. Sollte ein Kunde eine Waffe bestellen, die in seinem Bundesstaat verboten ist, werde ihm automatisch ein anderes Angebot gemacht, heißt es auf der Seite des Senders.

Der Start des Senders am 20. Januar 2016 erfolgt zu einem kritischen Zeitpunkt, da sich in den USA zuletzt zahlreiche Vorfälle ereignet haben, bei denen Bewaffnete um sich geschossen und Dutzende Menschen getötet haben. Erst am Mittwoch hatten zwei schwer bewaffnete Angreifer in Kalifornien 14 Menschen erschossen und 21 weitere verletzt.

Die Regierung unter US-Präsident Barack Obama bemüht sich seit Jahren vergeblich um eine Verschärfung der Waffengesetze.

Eine Vertreterin des "Law Center to Prevent Gun Violence", Laura Cutiletta, sprach sich gegen den Teleshopping-Sender aus. "Sie packen Waffen in verführerische Umgebungen. Dadurch könnten noch mehr Menschen auf die Idee kommen, eine Waffe zu kaufen." Täglich würden zu viele Menschen in den USA durch den Gebrauch von Schusswaffen getötet, so Cutiletta: "Wir sollten über diesen Sender nachdenken - ich glaube, er ist das letzte, was wir brauchen."

© SZ.de/AFP/jana/dayk

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