USA:Geschmackssache

Lesezeit: 2 min

Ob der Earl of Sandwich mexikanische Maisfladen mit Füllung gemocht hätte? (Foto: Imago stock)

Tacos sind in den USA ein beliebter Snack. Aber gelten sie als Sandwiches? Warum Juristen geteilter Meinung sind.

Von Peter Burghardt, Washington

Schwer zu sagen, ob John Montagu über Tacos Bescheid wusste. Nach diesem britischen Staatsmann aus dem 18. Jahrhundert ist eine bis heute beliebte Kategorie an Speisen benannt, denn John Montagu war der 4. Earl of Sandwich. Der Legende nach hatte der Mann dermaßen mit dem Kartenspiel zu tun, dass ihm zum Essen am Tisch keine Zeit blieb und er deshalb eine Frühform des Fingerfood bevorzugte.

Dass dieser spielfreudige Adlige das zusammengeklappte belegte Brot erfunden hat, ist, wie gesagt, nur Vermutung, aber sein Name hält sich – übrigens auch für eine etwas abgelegene Inselgruppe im Südatlantik, die unbewohnten Südlichen Sandwichinseln. Nun hat sich Montagus Beitrag zur Essgeschichte in den vergangenen mehr als 200 Jahren stetig weiterentwickelt, ohne dass ein Ende absehbar wäre. Das wirft immer wieder mal schwierige Fragen auf. Etwa: Sind eigentlich Tacos auch Sandwiches?

In jedem Fall sind Tacos mit Fleisch, Huhn oder Anderem gefüllte Maisfladen in tausend Variationen, erfunden und perfektioniert in Mexiko, mit berechtigtem Erfolg exportiert in die halbe Welt. Besondere Triumphe feiern diese Kreationen in den USA, wo ohne mexikanische Hilfe ohnehin die Küchen dichtmachen müssten, unter anderem. Selbst Donald Trump mag angeblich Tacos, zumindest die Versionen aus dem Restaurant in seinem Trump Tower. Mexikaner beleidigt er ansonsten gerne als Drogendealer oder Vergewaltiger und will sie in Massen ausweisen.

Warum sich Gerichte mit der Definition von Sandwiches befassen

Also, ist ein Taco ein Sandwich? Grundsätzlich könnte man einwenden, dass die Antwort im Wortsinn geradezu auf der Hand liegt. Aber amerikanische Gerichte, die ja sonst nichts zu tun haben, mussten sich wiederholt diesem semantisch-kulinarischen Grenzfall widmen. Das neueste Urteil wurde kürzlich vom Richter Craig Bobay aus Fort Wayne in Allen County, Bundesstaat Indiana, gefällt, und es lautet so: „Tacos und Burritos sind Sandwiches nach mexikanischer Art.“

Ein Schiedsspruch, welcher der Herkunft der Tacos angemessen Respekt zollt und der einen Streit zwischen der Planungskommission von Allen County und dem Gastronomen Martin Quintana beendet. Die Eröffnung seines Lokals „Famous Taco“ in einem Einkaufszentrum war zuvor durch ein Reglement behindert worden, wonach in der Mall nur mit Sandwiches verköstigt werden dürfe. Damit sollte weiteres Fast Food auf Distanz gehalten werden. Das Gericht bestätigte, dass Tacos nicht gegen diese Vorgabe verstoßen.

Gleiches gilt demnach für Gyros, Naan-Wraps oder die vietnamesische Brotvariante Banh Mi. Alles irgendwie Sandwiches. Unbedingt erwähnenswert ist das schon deshalb, weil 2006 ein Richter in Massachusetts behauptet hatte, dass Tacos keine Sandwiches seien. Dies ermöglichte Anbietern von Tacos damals umgekehrt das Geschäft, weil in einem Shopping-Center dort kein zweiter Sandwich-Laden aufmachen sollte. Und in diesem Zusammenhang sei außerdem daran erinnert, dass die damalige Richterin Ruth Bader Ginsburg vom Supreme Court 2018 in einer Fernsehshow sozusagen höchstinstanzlich zu verstehen gab, dass auch ein Hotdog ein Sandwich sei. Das Reich des Earl of Sandwich wächst und wächst.

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

SZ PlusMexiko
:Mit Tacos zum Michelin-Stern

Vier Gerichte, zwei Soßen, Plastikteller: Der berühmteste Gourmetführer der Welt hat einen einfachen Straßenimbiss in Mexiko Stadt ausgezeichnet. Ein Besuch in der Warteschlange - und eine überraschend kurze Antwort auf die Frage nach dem Erfolgsgeheimnis.

Von Christoph Gurk

Lesen Sie mehr zum Thema

Jetzt entdecken

Gutscheine: