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USA:Prince: Ermittlungen wegen angeblicher Pillen-Sucht

Prince

Prince 2013 bei einem Auftritt in Las Vegas.

(Foto: AP)

Hatte Prince ein Problem mit verschreibungspflichtigen Schmerztabletten, wie ein Suchtspezialist behauptet? Die Polizei hat die Drogenfahnder eingeschaltet.

Das letzte Foto, das von Prince öffentlich wurde, zeigt ihn nicht auf der Bühne, nicht im Studio, nicht singend, tanzend, schillernd, sondern auf hohen Hacken ganz in Schwarz gekleidet auf dem Parkplatz vor der amerikanischen Drogerie-Kette Walgreens. In Amerika glauben viele Leute nun: Der 57 Jahre alte Musiker habe dort Stunden vor seinem Tod am 21. April seine letzte Dosis Percocet gekauft, ein starkes, opiathaltiges Kombinations-Schmerzmittel.

Der offizielle Autopsie-Report steht noch aus, aber die Minneapolis Star Tribune und der Fernsehsender KSTP-TV haben dieser Tage berichtet, bei der Autopsie sei Percocet im Körper von Prince gefunden worden. Auch die Zahl seiner roten Blutkörperchen sei lebensgefährlich niedrig gewesen.

Weggefährten wären überrascht

Die Percocet-These als Todesursache kursiert in den USA schon länger; dass sie sich nun womöglich bewahrheitet, scheint aber selbst langjährige Weggefährten zu überraschen. Ihm nahestehende Personen wie seine Ex-Freundin Sheila E. erzählten, nie hätten sie Prince Pillen nehmen sehen, und eine Abhängigkeit von Opiaten könnten sie sich schon gar nicht vorstellen - ausgerechnet er, der stets so betont cleane Prince.

Alan Leeds, Princes früherer Tourmanager, allerdings sagte der New York Times: "Wir haben kaum eine Tournee gemacht, bei der er nicht manchmal unter Schmerzen auftrat, deshalb kommt mir der Gedanke, dass er Medikamente nahm, um auftreten zu können, nicht seltsam vor." Gesprochen hätten sie über Schmerzmittel nie. Und wenn man fragte, wie es ihm gehe, hätte er höchstens mit den Schultern gezuckt: Alles okay.

Ein Arzt sollte Prince entgiften

Erst am Tag vor seinem Tod rief sein Team Howard Kornfeld zu Hilfe, einen bekannten Suchtspezialisten aus dem kalifornischen Mill Valley, der seit vielen Jahren darauf spezialisiert ist, Patienten von Opiaten zu entwöhnen. Der Arzt sollte Prince in einer "lebensbedrohlichen Notsituation" helfen. So verbreitet es Kornfelds Anwalt, William J. Mauzy.

Der Plan sei gewesen, Prince in Minnesota zu stabilisieren und ihn dann zur Entgiftung zu Kornfelds "Recovery Without Walls" zu bringen, in das hübsche, ockerfarbige Gebäude im Herzen von Mill Valley. Aber Howard Kornfeld konnte seine Termine nicht schnell genug absagen und schickte seinen Sohn Andrew vor, der zwar kein Arzt ist, aber in seiner Klinik arbeitet. In der Nacht zum 21. April nahm der Sohn das erstbeste Flugzeug nach Minnesota, in dem Glauben, es handle sich "um einen lebensrettenden Einsatz", so Mauzy. Als Andrew Kornfeld am nächsten Morgen in Paisley Park eintraf, war es schon zu spät.

Die Drogenvollzugsbehörde ermittelt

Jason Kamerud, als Chief Deputy mit den Ermittlungen zu Princes Tod betraut, gab zu, dass auch in Richtung Schmerzmittelüberdosis geforscht werde, und die Drogenvollzugsbehörde (DEA) hat sich eingeschaltet, um herauszufinden, wer ihm verschreibungspflichtige Medikamente beschaffte. Aber dass Percocet bei Princes Tod eine Rolle spielte, will Kamerud nicht bestätigen: "Wenn wir wirklich genau sein und es richtig machen wollen, müssen wir auf die Bremse steigen," sagt Kamerud. Manche Ermittlungen glichen einem Puzzle mit 50 Teilen. "Diese hier ist eines mit 10 000 Teilen."

© SZ vom 07.05.2016/kat
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