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USA: Opfer bittet um Gnade für Täter:Kampagne für einen Mörder

Ein Araber-Hasser erschießt in den USA zwei Menschen. Das dritte Opfer, Rais Bhuiyan, überlebt knapp - und kämpft nun gemeinsam mit Amnesty International und einem grünen Bundestagsabgeordneten für die Begnadigung des Täters. Viel Zeit hat er nicht mehr: Die Hinrichtung ist für den 20. Juli angesetzt.

Diesen Moment, in dem er eigentlich hätte sterben müssen, wird Rais Bhuiyan nie aus dem Kopf bekommen. Noch immer, zehn Jahre später, stecken da 35 Schrotkugeln fest, und auf dem rechten Auge ist er seither blind.

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Rais Bhuiyan ist in Europa auf Werbetour. Er kämpft für die Begnadigung des Mannes, der ihn beinahe tötete.

(Foto: oh)

Nie wird er vergessen, wie plötzlich dieser Mann mit dem Gewehr in der Tankstelle steht und abdrückt. Rais Bhuiyan spürte den Wahn und den Hass und wusste, dass sein Gegenüber kein Geld aus der Kasse wollte. "Ich weiß nur nicht, warum er nicht noch mal abdrückte, um sicher zu sein, dass ich tot bin."

Müsste der 37-Jährige diesen Mann, einen Mörder, der in wenigen Tagen in Texas durch eine Dosis Gift sterben soll, nicht verabscheuen? Doch Rais Bhuiyan verteilt einen Appell für die Begnadigung Mark Stromans.

Nun ist Rais Bhuiyan auch durch Europa gereist und hat den Appell gemeinsam mit einem Mitarbeiter von Amnesty International und dem Bundestagsabgeordneten Tom Koenigs (Grüne) in Berlin vorgestellt. Rais Bhuiyan, der in seinem schwarzen Anzug älter und noch schmaler wirkt, als er ist, hat nicht mehr viel Zeit, um den Mann, der ihn töten wollte, zu retten. Denn Mark Stroman - Stiernacken, Glatze, Tattoos - sitzt im Todestrakt des Gefängnisses von Livingston, seine Hinrichtung ist für den 20. Juli angesetzt. Er soll sterben, weil er im September und Oktober 2001 in Dallas einen indischen Tankstellenbesitzer und einen pakistanischstämmigen Verkäufer getötet hat.

Maßgeblich für seine Verurteilung vor neun Jahren war auch die Aussage Rais Bhuiyans - jenes Mannes also, der nun den texanischen Gouverneur bittet, die Todesstrafe in eine lebenslange Haft zu wandeln. Damals, als der Prozess lief, verließ der gebürtige Bangladescher den Gerichtssaal nicht mal für einen Gang zur Toilette, aus Angst, jemand würde ihn, den einzigen Zeugen, doch noch umbringen. Mehrmals wurde er operiert, die Beziehung zu seiner Verlobten zerbrach. Er war das Opfer, und doch klingt es, als verteidige er sich: "Ich konnte ja nicht die Strafe wählen. Ich konnte nur bezeugen, was passiert war."