USADer Häftling und die Justizbeamtin

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Mit diesen Fotos fahndete der Sheriff von Lauderdale County nach dem mutmaßlichen Mörder Casey White und der Justizbeamtin Vicky White. Die beiden sind nicht miteinander verwandt.
Mit diesen Fotos fahndete der Sheriff von Lauderdale County nach dem mutmaßlichen Mörder Casey White und der Justizbeamtin Vicky White. Die beiden sind nicht miteinander verwandt.
Uncredited/dpa

Eine US-Polizistin verhilft einem mutmaßlichen Mörder zur Flucht, elf Tage später stirbt sie bei einer Verfolgungsjagd. Ermittler gehen zunächst von Suizid aus, doch nun nimmt der Fall womöglich eine Wendung.

Von Anna-Lena Jaensch

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Vicky White war beliebt im Gefängnis von Lauderdale. Fast 17 Jahre arbeitete die Justizvollzugsbeamtin dem Sender Fox News zufolge in der Haftanstalt im US-Bundesstaat Alabama, war Angestellte des Jahres und zuletzt sogar stellvertretende Leiterin des Gefängnisses gewesen. Ein Foto zeigt die 56-Jährige mit zurückhaltendem Lächeln, auf der bis oben zugeknöpften Jacke prangt der Sheriff-Stern. Das war die Vicky White, wie ihre Kollegen sie kannten.

Bis die Beamtin Ende April die schwere Gefängnistür aufschiebt, hinter ihr der Häftling Casey White in orangefarbener Gefängniskleidung - und mit dem 38-Jährigen verschwindet. Elf Tage später ist Vicky White tot. Nach einer Verfolgungsjagd mit der Polizei stirbt sie an einem Kopfschuss. Suizid, vermuten die Einsatzkräfte.

Doch nun gibt es womöglich eine Wende in dem Fall: Die Staatsanwaltschaft hat Casey White wegen Mordes an der Polizistin angeklagt.

Eine "besondere Beziehung"

Die Frage, die sich stellt: War Vicky White nun Komplizin, Geliebte - oder doch Opfer? Die Ermittler haben andere Häftlinge über die Beziehung der beiden Whites befragt, die nach Polizeiangaben nicht miteinander verwandt oder verschwägert sind. Die Beamtin habe außerhalb ihrer normalen Arbeitszeiten Kontakt zu White gepflegt, körperliche Annäherungen habe es den Beobachtern zufolge jedoch nicht gegeben, teilte das Büro des Sheriffs von Lauderdale County mit. "Uns wurde gesagt, dass Casey White spezielle Privilegien erhielt und in der Einrichtung anders behandelt wurde als die anderen Häftlinge", sagte Sheriff Rick Singleton dem Nachrichtensender CNN. Die Ermittler sprechen von einer "besonderen Beziehung".

Casey White saß seit 2019 eine Freiheitsstrafe von 75 Jahren unter anderem wegen versuchten Mordes, Entführung und Einbruchs in Lauderdale ab. Vor ihrem Verschwinden am 29. April hatte Vicky White ihren Kollegen gesagt, der Häftling müsse zu einer psychiatrischen Untersuchung ins Gericht gebracht werden, und führte den zwei Meter großen und 150 Kilogramm schweren Mann entgegen der Vorschriften alleine aus dem Gebäude hinaus. Es war Medienberichten zufolge ihr letzter Arbeitstag, sie hatte einen Rentenantrag gestellt, ihr Haus verkauft und eine hohe Summe Bargeld abgehoben. Im Gericht aber kamen White und White nie an, später stellten die Behörden fest, dass an jenem Tag gar kein Untersuchungstermin für den 38-Jährigen angesetzt war. Das alles deutet darauf hin, dass das Duo gemeinsame Sache machte.

Anderthalb Wochen gelang es den beiden, unterzutauchen, bis sie schließlich in Indiana von der Polizei verfolgt und festgenommen wurden. Während der Verfolgungsjagd, berichteten Medien später unter Berufung auf Sheriff Dave Wedding aus Vanderburgh County in Indiana, habe Vicky White sich selbst in den Kopf geschossen und sei im Krankenhaus gestorben.

Casey White nach seiner Festnahme am 10. Mai. Er wurde zurück ins Gefängnis von Lauderdale County gebracht.
Casey White nach seiner Festnahme am 10. Mai. Er wurde zurück ins Gefängnis von Lauderdale County gebracht.
Dan Busey/AP

In der neuen Anklage gegen Casey White wird nun eine andere Version der Geschichte formuliert. Er habe "während der Flucht den Tod von Vicky White verursacht, die an einem Schuss in den Kopf starb", so zitieren es mehrere US-Medien. In Alabama können Menschen wegen Mordes angeklagt werden, wenn sie den Tod einer Person verursachen, während sie ein anderes Verbrechen begehen - beispielsweise einen Fluchtversuch.

Ob dies bei Casey White der Fall ist, wird sich nun vor Gericht klären, wer den Abzug der Waffe drückte, wird in den Dokumenten nicht erwähnt. Es ist nicht der einzige anstehende Prozess für den 38-Jährigen: Im Gefängnis soll er gestanden haben, eine Frau erstochen zu haben. Er gab an, bei der Tat unzurechnungsfähig gewesen zu sein - und somit nicht schuldig. Auch im Fall des Todes von Vicky White plädieren seine Anwälte auf nicht schuldig.

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