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USA:Hotelkette klagt gegen die Opfer des Las-Vegas-Massakers

Mandalay Bay Resort

In den sozialen Netzwerken hat die Klage des Unternehmens für scharfe Kritik gesorgt.

(Foto: dpa)
  • Der Hotelbetreiber MGM Resorts möchte mögliche Schadensersatzansprüche infolge des Las-Vegas-Massakers abblocken.
  • Am 1. Oktober 2017 hatte ein Mann aus seinem Hotelzimmer im Mandalay Bay 58 Menschen getötet und mehr als 500 verletzt. Opfer und Angehörige haben auf Schadensersatz geklagt.
  • MGM möchte sich nun auf ein Anti-Terror-Gesetz berufen, um die Klagen so zu verhindern. In sozialen Netzwerken gibt es dafür scharfe Kritik.

Aus einem Hotelzimmer der Kette MGM Resorts tötete ein Mann in Las-Vegas im vergangenen Jahr 58 Besucher eines Country-Festivals und verletzte mehr als 500. Nun möchte das Unternehmen Schadensersatzansprüche mit einem juristischen Kniff abwehren. Die rechtliche Vorgehen von MGM ist beisspiellos. Das Unternehmen will gegen die Opfer des Massakers klagen - um selbst nicht zu Zahlungen verurteilt werden zu können.

Das Unternehmen habe eine entsprechende Klage eingereicht, um sich bestätigen zu lassen, dass es nicht haften müsse, teilte Sprecherin Debra DeShong am Dienstag auf Facebook mit. Dem Unternehmen geht es nach eigener Darstellung nicht um Geld, sondern darum, den Gerichtsstand zu ändern. Bisher liegen alle Klagen im Zusammenhang mit dem Massaker in der Zuständigkeit des US-Bundesstaats Nevada. MGM möchte hingegen, dass die Fälle vor einem Bundesgericht verhandelt werden.

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Ein Krankenpfleger aus Tennessee, eine Lehrerin aus Kalifornien und 56 weitere Menschen sind in Las Vegas getötet worden. Ihre Schicksale bewegen die USA.

Einem Bericht der Zeitung Las Vegas Review-Journal zufolge greift das Unternehmen auf ein Anti-Terror-Bundesgesetz aus dem Jahr 2002 zurück, welches als Reaktion auf die Anschläge vom 11. September verabschiedet worden war. Das komplizierte rechtliche Konstrukt regelt, dass die amerikanische Regierung in letzter Instanz verantwortlich ist, wenn bei Terror-Anschlägen Unternehmen oder Organisationen betroffen sind, die vom Heimatschutzministerium zertifizierte Sicherheitsunternehmen beschäftigt haben.

Die Hotelkette MGM sowie der Konzertbetreiber des Musik-Festivals hatten, so die Argumentation weiter, zum Zeitpunkt des Massakers die Sicherheitsfirma CSC unter Vertrag. Bei dieser soll es sich um eine durch das Ministerium zertifizierte Firma gehandelt haben. Zudem müsse das Massaker aufgrund der Höhe der Opferzahlen als "Terrorakt" gelten.

MGM-Unternehmenssprecherin DeShong teilte mit, man wolle sich durch die Klage bestätigen lassen, dass das Unternehmen nicht für das Leid der Opfer haftbar gemacht werden könne. "Unsere Beschwerde richtet sich gegen Menschen, die uns entweder schon verklagt oder damit gedroht haben." Das Unternehmen strebe Gerechtigkeit an, so DeShong. Ein Anwalt, der viele der Opfer vertritt, zeigte sich dagegen von der Vorgehensweise des Unternehmens empört. Gegenüber USA Today sagte er, MGM würde "Benzin ins Feuer gießen".

Mehr als 1000 Menschen haben bereits Klage gegen die Kette, respektive das Hotel erhoben wegen Fahrlässigkeit. Sie werfen dem Hotel vor, dass der Schütze, der 64-jährige Stephen Paddock, unbehelligt ein ganzes Waffenarsenal in sein Hotelzimmer bringen konnte, dazu mehrere Tausend Schuss Munition.

Das Massaker war an der Zahl der Opfer gemessen das folgenreichste der vergangenen Jahre in den USA. Neben den 58 Toten wurden mehr als 500 Menschen verletzt. Das Motiv des 64-jährigen Schützen blieb unklar.

Nach der Bekanntmachung der beabsichtigen Klage-Strategie auf Facebook und Twitter äußerten sich viele Nutzer in den sozialen Netzwerken empört über MGM Resorts. Die New York Times nannte das Vorgehen des Unternehmens juristisch aggressiv.

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