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SZ-Kolumne "Bester Dinge":Letzte Rettung: Lesegruppe

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(Foto: imago/ZUMA Press)

Wie Häftlinge in Kalifornien so lange putzten, bis sie 32 000 US-Dollar zusammen hatten und einem Jungen die Schulgebühren bezahlen konnten.

Von Alexander Menden

Lesegruppen sind eine tolle Sache, aber man erwartet nicht unbedingt, dass sie das Leben ihrer Teilnehmer von Grund auf verbessern. Tun sie aber, wenn sie so verlaufen, wie an der Palma School im kalifornischen Salinas. Die Schüler dort organisieren ihre Lesegruppe gemeinsam mit Häftlingen des Soledad State Prison. Unter ihnen war auch Jason Bryant.

1999 war der damals 20-Jährige wegen bewaffneten Raubüberfalls mit Todesfolge zu 26 Jahren Haft verurteilt worden. Dem Fernsehsender CBS erzählte er nun über die Lesegruppe mit der Palma School, es sei "unglaublich erfrischend" gewesen, dass die Schüler die Gefangenen "als das sahen, was wir sind: Menschen".

Bryant glaubt, "dass viele Menschen, die sehr schlechte Entscheidungen in ihrem Leben gefällt haben, Teil von etwas Gutem sein wollen". Und etwas sehr Gutes war die Entscheidung der Gefangenen, vier Jahre lang für den Schüler Sy Newson Green Geld zu sammeln, da seine Familie die Schulgebühren von 12 900 US-Dollar im Jahr nicht mehr aufbringen konnte: Sy Newsons Vater benötigte damals eine Herztransplantation, die Mutter war erblindet, als ein Baseball sie am Kopf traf. Die Kosten für die Versorgung fraßen das Familienvermögen auf, da beide Eltern ihre Arbeit verloren hatten.

32 000 US-Dollar sammelten Jason Bryant und seine Mitgefangenen für den Schüler insgesamt ein, hauptsächlich indem sie in Putzkolonnen arbeiteten. Letztes Jahr machte Green dann seinen Abschluss und ist inzwischen an der Academy of Art University in San Francisco eingeschrieben. Die Hilfe durch die Gefangenen empfindet er als "riesige Ehre".

Und Jason Bryant? Wurde 2019 vom kalifornischen Gouverneur begnadigt. Mehr kann man von einer Lesegruppe nicht verlangen.

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© SZ/muth
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