Waldbrände in den USA Gefährliches Schauspiel

Nahe dem Yosemite-Nationalpark wüten derzeit schwere Brände.

(Foto: AP)
  • Ein Waldbrand im Norden des US-Bundesstaats Kalifornien bedroht den berühmten Yosemite-Nationalpark.
  • Das riesige Feuer reiht sich ein in eine lange Liste von Naturkatastrophen, die den Bundesstaat in den vergangenen Jahren erfasst haben.
Von Jürgen Schmieder, Los Angeles

Zugegeben: Es sind spektakuläre Bilder, die Touristen gerade vom westlichen Teil des Yosemite Parks veröffentlichen. Die gewaltige Rauchsäule, der knallrote Himmel oder dieses Flugzeug, aus dem - vor der untergehenden Sonne - Löschzeug über brennenden Wäldern abgeworfen wird. Der Standort der Fotografen wird meist als unbedenklich eingestuft, und doch haben die kalifornischen Behörden nun darauf hingewiesen, dass dieses Schauspiel nicht der Belustigung der Besucher dient, sondern sehr gefährlich ist.

Das Wildfeuer hat sich innerhalb weniger Tage auf eine Größe von 73 Quadratkilometer ausgeweitet - das ist ein Viertel der Fläche Münchens - und weniger als zehn Prozent davon sind eingedämmt, ein Feuerwehrmann ist ums Leben gekommen. "Es ist unwegsames Gelände: steil, felsig, zerklüftet", sagt Michael Beasley von der amerikanischen Forstverwaltung. "Es ist heiß und trocken, und die Gewitter könnten uns zwar helfen, aber aufgrund der Unberechenbarkeit der Windrichtung auch für neue Gefahren sorgen."

Feuerwehr im Einsatz statt Touristen auf Wanderung

mehr...

Es gibt diese Rundreise, auf der die Besucher die erhabene Schönheit Kaliforniens erleben und auch ein bisschen was von diesem sonnigen Lebensgefühl inhalieren wollen: von Los Angeles aus nach Nordosten zu den riesigen Bäumen im Sequoia National Forest, durch das Death Valley und den Yosemite Park zum malerischen Lake Tahoe, rüber nach San Francisco und am Pazifik entlang zurück nach LA. Es scheint der Himmel auf Erden zu sein, doch klingen all die Katastrophen der vergangenen Monate eher nach Apokalypse, und die Bilder der Touristen sehen auch so aus.

Die Brände im Yosemite Park reihen sich ein in eine lange Liste: Im Oktober vergangenen Jahres in Nordkalifornien: die schlimmsten Brände in der Geschichte des Bundesstaates. Knapp 6000 Häuser wurden zerstört, 42 Menschen starben. Kurz danach, im Dezember, sah der Freeway 405 in Los Angeles aufgrund gewaltiger Lauffeuer aus wie der Highway to Hell. Um die Weihnachtszeit dann, die Strömungen des El Niño, die zu Erosionen an den Klippen führten. Im Januar, westlich von L.A. im Städtchen Montecito: eine gewaltige Schlamm- und Gerölllawine, bei der 23 Menschen ums Leben kamen. Überhaupt die Dürre der vergangenen Jahre. Und die immer wieder auftretenden kleinen Erdbeben, die allesamt nur als Verboten von "The Big One" gelten.

Zahlreiche Experten sagen: Der Mensch ist selbst schuld

Es gibt Leute, die sprechen angesichts der derzeitigen Brände von einer Heimsuchung biblischen Ausmaßes, zahlreiche Experten sind sich allerdings einig, dass der Mensch größtenteils selbst schuld ist: Die Wälder in den Nationalparks reinigen sich seit Jahrhunderten über Brände selbst und nehmen keine Rücksicht darauf, dass da jemand ein Haus hingestellt hat, genauso wie die krachenden Wellen während El Niño keine Rücksicht auf Villen auf Klippen nehmen oder sich die Kontinentalplatten an der San-Andreas-Verwerfung nicht um Metropolen wie Los Angeles oder San Francisco scheren. Die Leute leben hier, weil es traumhaft schön sein kann - es ist aber auch riskant.

Die kalifornischen Behörden raten den Besuchern nun, vielleicht lieber weiter westlich spektakuläre Fotos zu knipsen. Das wunderbare Teilstück des Pacific Coast Highway in Mud Creek auf halber Strecke zwischen San Francisco und Los Angeles mit prächtigen Pazifikblick sei seit diesem Mittwoch nach mehr als einem Jahr Sperrung wieder vollständig befahrbar. Grund für die Sperrung: ein durch Wildfeuer und anschließenden Regen bedingter Erdrutsch an der Küste.

Amerikas Klimabewegung gibt nicht auf

Vor einem Jahr hat Donald Trump den Ausstieg aus dem Pariser Klimaabkommen verkündet. Doch Bundesstaaten, Städte und Aktivisten versuchen mit großem Engagement, die Folgen für das Klima auszugleichen. Von Johannes Kuhn und Beate Wild mehr...