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USA:Der Fall James Deen

Typ Lehramtsstudent: James Deen.

(Foto: Deen/Instagram)

Pornostar James Deen wurde lange Zeit idealisiert und sogar als Feminist bezeichnet. Nun gibt es Vergewaltigungs-Vorwürfe gegen ihn. Hat er eine Grenze überschritten?

Wenn James Deen mit einer Frau schläft, und das tut er oft, ist das meist eine recht harte Angelegenheit. Sie kniet, stöhnt und jammert. Er würgt, schnauft und schlägt. Nun ist James Deen aber nicht irgendein amerikanischer Pornodarsteller mit Goldkette und Tribal-Tattoo. Er ist ein Star. Lange Zeit als zupackender Super-Liebhaber idealisiert, war er nicht nur für die Hauptrolle im Film "Fifty Shades of Grey" im Gespräch, sondern spielte 2013 in Paul Schraders "The Canyons" auch wirklich eine Hauptrolle. Das liegt daran, dass Deen mehr aussieht wie ein hübscher Lehramtsstudent als wie ein Brummifahrer auf Anabolika. Und er behandelt Film-Partnerinnen nicht nur als allzeit bereite Objekte. Er spielt Playstation mit ihnen, küsst und streichelt sie - um dann sehr handfest zur Sache zu kommen. Deen, blaue Augen, 29 Jahre alt, hat die perfekte pornografische Illusion erschaffen: ein netter Junge, der böse sein kann.

Doch nun ist es vorbei mit der Illusion. Insgesamt neun Frauen werfen Deen Vergewaltigung oder Missbrauch vor. Den Anfang machte Deens Ex-Freundin, die Pornodarstellerin Stoya, via Twitter: "Dieser Moment, wenn du ins Internet gehst und siehst, wie Menschen die Person als Feministen idealisieren, die dich vergewaltigt hat." Rasch folgten weitere Vorwürfe. Deens Kollegin Tori Lux schrieb, er habe sie nach einem Dreh zum Sex zwingen wollen. Er selbst weist alle Vorwürfe zurück und spricht von einer Schmutzkampagne. Beruflich sei er nun mal auf harten Sex spezialisiert; wenn er dabei Grenzen überschritten habe, tue ihm das leid. Die Frage ist nur: Wo verläuft diese Grenze in einer Branche, in der die Unterwerfung von Frauen kultiviert wird? Eine Anfrage der SZ blieb bisher unbeantwortet.

Der Fall James Deen ist ein Schock für die Multimilliarden-Dollar-Pornoindustrie. Plötzlich diskutiert die Branche über Gewalt und Grenzüberschreitungen. Darstellerin Lux etwa schreibt, dass sie selbst keine Anzeige erstattet habe, weil Polizei und Öffentlichkeit davon ausgingen, dass sich Sexarbeiter bewusst in solche Situationen begeben. Sie habe Angst gehabt, Angst vor dem Urteil der anderen.

Diesem Urteil ist nun auch James Deen ausgesetzt. Zwei Produktionsfirmen distanzierten sich bereits von ihm, die Website "The Frisky" strich seine Sexkolumne. Der Mann, der wirklich ein bisschen wie James Dean aussieht, Sohn jüdischer Raketenforscher ist und bürgerlich Bryan Matthew Sevilla heißt, lebt für seine Arbeit. Mit 18 drehte er den ersten Porno, später sagte er, dass er schon im Kindergarten gewusst habe, wie sein Leben verlaufen soll: "Mein Problem ist, dass ich nie etwas anderes tun wollte, als Pornos zu drehen. Ich hatte nie ein echtes Hobby."

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