Süddeutsche Zeitung

US-Berufungsgericht:Todesurteil gegen Boston-Marathon-Attentäter gekippt

Der Mann hatte zusammen mit seinem Bruder im April 2013 zwei Sprengsätze im Zielbereich des Wettlaufs gezündet. Drei Menschen wurden getötet und mehr als 260 teils schwer verletzt.

Ein US-Berufungsgericht hat die Todesstrafe gegen einen der Attentäter des Bombenanschlags auf den Boston-Marathon gekippt. Die Bundesrichter bestätigten zwar einen großen Teil des Urteils, das gegen Dzhokhar Tsarnaev verhängt worden war. Sie wiesen aber eine niedere Instanz an, einen neuen Prozess hinsichtlich der Anklagepunkte aufzulegen, für die er zu Tode verurteilt worden war.

Tsarnaev und sein älterer Bruder Tamerlan hatten im April 2013 zwei Sprengsätze im Zielbereich des Wettlaufs gezündet. Drei Menschen wurden getötet und mehr als 260 teils schwer verletzt. Während der mehrtägigen Flucht kamen zudem ein Polizist und Tamerlan ums Leben. Dzhokhar Tsarnaev wurde wenig später festgenommen. Tsarnaev wurde in 30 Anklagepunkten schuldig befunden und verurteilt.

Geschworene hatten sich in Sozialen Medien geäußert

Die drei Richter des Berufungsgerichts veröffentlichten ihre Entscheidung jetzt mehr als sechs Monate nach den Anhörungen zu dem Fall. Tsarnaevs Anwälte hatten argumentiert, dass eine intensive Medienberichterstattung es unmöglich gemacht habe, einen fairen Prozess in Boston zu führen. Sie verwiesen zudem auf Äußerungen von zwei Geschworenen in sozialen Medien, die nahegelegt hätten, dass sie bereits vor dem Prozessbeginn 2015 eine klare Meinung zu dem Fall gehabt hätten.

Die Richter des 1. Bundesberufungsgerichts in Boston hatten bei einer Anhörung dazu im vergangenen Dezember viele Fragen zu einer möglichen Voreingenommenheit der beiden Geschworenen gestellt. So fragten sie, warum die beiden nicht entlassen worden seien, oder warum der Vorsitzende Richter des Prozesses nicht zumindest nachgefragt habe, nachdem die Postings bekannt geworden seien. Sie betonten, dass das Gericht in Boston eine seit langem bestehende Regel habe, die zu einer solchen Nachforschung verpflichte.

Tsarnaevs Anwälte trugen vor, dass einer der beiden Geschworenen, der zudem Sprecher der Jury wurde, nach dem Anschlag zwei Dutzend Kommentare auf Twitter veröffentlicht habe. In einem Tweet nach Tsarnaevs Festnahme bezeichnete er den Verdächtigen als ein "Stück Müll".

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