US-MarineKollision der Kolosse

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Die USS John S. McCain nach ihrer Kollision mit dem Tanker.
Die USS John S. McCain nach ihrer Kollision mit dem Tanker. REUTERS
  • In den Gewässern östlich von Singapur ist das US-Kriegsschiff USS John S. McCainmit einem Handelsschiff unter liberianischer Flagge zusammengestoßen.
  • Fünf Seeleute wurden dabei verletzt, zehn weitere gelten als vermisst. Die Chancen, sie lebend zu bergen, schwanden trotz intensiver Suche mit jeder Stunde.
  • Wie es zu dem Zusammenstoß kam, ist noch unklar.

Von Arne Perras, Singapur

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Es ist ein Horrorszenario. Auf dem Highway der Weltwirtschaft kollidiert ein Öltanker mit einem anderen großen Schiff, die Umwelt wird durch eine Ölpest verseucht und der Handelsverkehr erst mal lahmgelegt. Schon die Vorstellung von einer solchen Katastrophe auf einer der wichtigsten maritimen Routen der Welt jagt Malaysiern und Singapurern Schauer über den Rücken. Bei so dichtem Verkehr müsse man damit allerdings irgendwann rechnen, hört man Bürger im Stadtstaat manchmal sagen. Denn mehr als 200 große Frachtschiffe müssen jeden Tag durch das Nadelöhr der Welthandelsroute südlich der malaiischen Halbinsel.

Am Montagmorgen gab es erste Schreckensmeldungen vom Meer. Und plötzlich waren alle alarmiert: War dies der Ernstfall, den alle fürchten? Östlich des Stadtstaats, wo sich die Seeroute durch die Straße von Malakka ins Südchinesische Meer öffnet, war die 183 Meter lange Alnic MC mit dem Kriegsschiff USS John S. McCain zusammengestoßen. Der Tanker unter liberianischer Flagge transportierte fast 12 000 Tonnen Treibstoff, das US-Schiff gehört zur 7. Flotte im Pazifik, es war auf dem Weg in den Hafen von Singapur.

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Sieben Besatzungsmitglieder der "USS Fitzgerald" wurden nach dem Zusammenstoß vermisst. Inzwischen sollen ihre Leichen geborgen worden sein.

Kurzes Bangen, dann war klar: Der Stadtstaat und die Küstengewässer waren gerade noch mal davongekommen. Berichte über ausgelaufenen Treibstoff gab es nicht. Dennoch blieb die Stimmung gedrückt. Fünf US-Seeleute wurden verletzt, zehn gelten als vermisst. Die Chancen, sie lebend zu bergen, schwanden trotz intensiver Suche mit jeder Stunde. Durch das Loch war offenbar auch ein Schlafbereich überflutet worden. Über den Hergang des Unglücks gab es zunächst keine Angaben.

Nur so viel war schnell klar: Der Rumpf des Schiffs ist schwer beschädigt, Fotos zeigten ein gewaltiges Loch in der Bordwand.

Die Navy ließ für einen Tag die Aktivitäten der gesamten Flotte weltweit ruhen.

Zusammenstöße mit Kriegsschiffen sind sehr selten. Umso rätselhafter, dass es innerhalb weniger Wochen nun schon zum zweiten Mal einen derartigen Unfall gab. Beide Male waren US-Lenkwaffenzerstörer involviert. Erst im Juni hatte es die USS Fitzgerald vor Japan erwischt. Sie wurde von einem philippinischen Containerschiff gerammt, sieben Seeleute starben. Vergangene Woche gab die US-Marine bekannt, dass sie den Kapitän der Fitzgerald und weitere Offiziere wegen "unangemessener Führung" von ihren Pflichten entbunden habe. Zudem müssten damalige Wachmannschaften mit disziplinarischen Schritten rechnen. Ein Sprecher der Flotte erklärte: "Die Kollision war vermeidbar", Verantwortliche beider Schiffe hätten sich als "schlechte Seefahrer" erwiesen.

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Die Reparaturen an der Fitzgerald dürften laut Experten teurer werden als die 250 Millionen Dollar, die nötig waren, um die USS Cole wieder flott zu bekommen. Sie war im Jahr 2000 vor Jemen durch eine Terrorattacke beschädigt worden. Auch der Schaden an der USS John S. McCain, die es noch aus eigener Kraft bis Singapur schaffte, gilt als beträchtlich.

© SZ vom 22.08.2017 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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