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US-Justiz:Zwei Hinrichtungen an einem Abend in Arkansas

US state of Arkansas executes two prisoners in one night: official

Im US-Bundesstaat Arkansas sind am Montagabend die beiden verurteilten Straftäter Jack Harold Jones (links) und Marcel W. Williams hingerichtet worden.

(Foto: AFP)
  • Im US-Bundesstaat Arkansas werden zwei verurteilte Mörder binnen weniger Stunden hingerichtet.
  • Damit sind zum ersten Mal seit zwei Jahrzehnten in den USA zwei Todesurteile am selben Tag vollstreckt worden.
  • Arkansas hat eine Reihe von Exekutionen angekündigt, weil das Haltbarkeitsdatum für ein dabei eingesetztes Medikament ausläuft.

Im US-Bundesstaat Arkansas sind am Montagabend binnen weniger Stunden zwei Häftlinge hingerichtet worden. Es ist das erste Mal seit fast zwei Jahrzehnten, dass in den USA an einem Tag zwei Mal die Todesstrafe vollstreckt wird.

Jack Jones, 52, und Marcel Willams, 46, waren wegen Vergewaltigung und Mordes verurteilt worden. Laut der Zeitung Arkansas Democrat Gazette dauerte Jones' Exekution von 19:06 Uhr bis 19:20 Uhr. Sein Tod sei offenbar "qualvoll und inhuman" gewesen, schrieben seine Anwälte. Die Gefängnisangestellten hätten 45 Minute gebraucht, um den Zentralvenenkatheder zu legen. Williams starb demnach um 22:33 Uhr, 17 Minuten nachdem ihm der Giftcocktail verabreicht worden war. Auf einen Eilantrag seiner Anwälte hin hatte eine Bundesrichterin die Exekution zunächst gestoppt, die Entscheidung aber nach kurzer Zeit revidiert.

Arkansas steht gegenwärtig im Zentrum einer intensiven Todesstrafendebatte. Gouverneur Asa Hutchinson hatte im Februar ein von Menschenrechtlern heftig kritisiertes und von Juristen angefochtenes Ziel gesetzt, vom 17. bis 27. April acht Menschen töten zu lassen. Hintergrund der Hinrichtungsserie ist, dass das Verfallsdatum für eine der Substanzen für die Giftspritzen Ende des Monats ausläuft.

Juristischer Streit um Substanz für die Giftspritze

Das Mittel ist eines von drei Bestandteilen des Giftcocktails, der den Verurteilten für die Hinrichtung gespritzt wird. Eine weitere darin enthaltene Substanz ist Vecuronium. Gegen dessen Verwendung hatte eine Bezirksrichterin die einstweilige Verfügung erwirkt, die die Hinrichtungen zunächst blockiert hatte. Damit war sie der Klage des Pharmahändlers McKesson gefolgt.

Dieser hatte dem US-Bundesstaat Arkansas vorgeworfen, beim Kauf der Substanz vorgetäuscht zu haben, es zu medizinischen Zwecken benutzen zu wollen. Das Oberste Gericht von Arkansas hatte die einstweilige Verfügung gegen die Verwendung des Gifts dann jedoch gekippt. Am vergangenen Donnerstag war dann die erste Hinrichtung erfolgt, am kommenden Donnerstag ist eine weitere geplant.

Nicht nur der US-Bundesstaat Arkansas beschäftigt das Haltbarkeitsproblem: Allen 31 US-Staaten, in denen die Todesstrafe noch legal ist, geht das Gift aus. Viele Pharmakonzerne wollen nicht mehr, dass mit ihren Mitteln getötet wird. Mehr als 20 amerikanische und europäische Pharmakonzerne weigern sich, die Substanzen für die Giftocktails in den USA zu liefern, die EU hatte 2011 ein Exportverbot verhängt.

In den USA wurden im vergangenen Jahr 20 Menschen hingerichtet, weniger als jemals zuvor seit 25 Jahren. 2017 wurden bisher neun Todesurteile vollstreckt. Zwei zum Tode verurteilte Straftäter an einem Tag waren zuletzt im Jahr 2000 in Texas hingerichtet worden.

© SZ.de/dpa/AFP/epd/ees/afis
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