bedeckt München 15°
vgwortpixel

US-Bundesstaat North Carolina:Mann erschießt drei Muslime

  • In der Universitätsstadt Chapel Hill im US-Bundesstaat North Carolina hat ein Mann drei muslimische Studenten erschossen. Über die Motive des Mannes gibt es noch keine gesicherten Erkenntnisse.
  • Der mutmaßliche Täter soll sich auf seiner Facebook-Seite feindlich gegenüber allen Religionen geäußert haben.
  • Im Internet wird aber bereits unter dem Hashtag #MuslimLivesMatter harsche Kritik an den Medien geübt, weil diese bislang vorsichtig oder gar nicht über den Fall berichten.

Gewalttat in Universitätsstadt

In der US-Universitätsstadt Chapel Hill (Bundesstaat North Carolina) hat ein Mann drei muslimische Studenten erschossen und sich anschließend selbst der Polizei gestellt. Bei den Opfern der Gewalttat handele es sich um einen 23-jährigen Mann, seine zwei Jahre jüngere Ehefrau sowie deren 19-jährige Schwester, berichten mehrere US-Medien. Der mutmaßliche Täter wurde inzwischen wegen dreifachen Mordes angeklagt, teilte die Polizei mit.

Der getötete Mann studierte der Polizei zufolge im zweiten Jahr Zahnmedizin. Seine Frau habe im Herbst ebenfalls mit dem Studium der Zahnmedizin beginnen wollen, deren Schwester habe ebenfalls studiert.

Diskussion um Motive des mutmaßlichen Täters

Zum Motiv des mutmaßlichen 46-jährigen Schützen war zunächst nichts bekannt. Zumindest nicht von offizieller Seite. Die Polizei erklärte lediglich, sie verhöre einen Verdächtigen. Sie gehe nicht davon aus, dass weitere Gefahr für die Öffentlichkeit bestehe. Im Internet entbrannten trotzdem heftige Spekulationen über die Hintergründe für die Schüsse auf die drei Studenten.

Für viele scheint der Fall auch ohne abschließende Polizei-Ermittlungen klar: Die drei Opfer mussten wegen ihrer Religion sterben. Als Beweis dient jenen, die das behaupten, die Facebook-Seite des mutmaßlichen Mörders. Dem Independent zufolge hatte der 46-Jährige dort Religionen im Allgemeinen verspottet und sich zum Atheismus bekannt. Ein anderer Facebook-Post zeigt offenbar seinen Revolver.

Vertreter der muslimischen Gesellschaft forderten die Polizei auf zu ermitteln, ob es einen politischen oder religiösen Hintergrund für die Tat gab. Die New York Times zitiert eine Stellungnahme der ermittelnden Polizei, die hingegen in eine ganz andere Richtung zeigt. Demnach deuten die ersten Ermittlungen darauf hin, dass die Tat auf einen Nachbarschaftsstreit um einen Parkplatz zurückzuführen sei.

Der Polizeichef von Chapel Hill, Chris Blue, reagierte in einer Mitteilung auf die Forderungen, das Tatgeschehen auf einen religiösen Hintergrund hin zu untersuchen. "Wir verstehen die Besorgnis über die Möglichkeit, dass es durch Hass motiviert wurde und wir werden jedem Hinweis erschöpfend nachgehen, um festzustellen, ob das der Grund war." Er bezeichnete die Tat als "sinnlos" und "tragisch". Eine Gerichtsanhörung sei für den 3. März angesetzt, berichteten Medien.

Der Vater der beiden Studentinnen spricht laut der Zeitung News & Observer von einem Hassverbrechen. "Dies war kein Streit über einen Parkplatz. Der Mann hat meine Tochter und ihren Mann schon zuvor ein paar Mal drangsaliert." Es habe sich um eine Exekution gehandelt. "Eine Kugel in jedem Kopf", sagte der Mediziner, der in North Carolina eine psychiatrische Praxis betreibt. Seine Tochter habe sich noch ein Woche zuvor über ihren "hasserfüllten Nachbarn" beklagt.

Kritik an den Medien

Auf Twitter wurde kurz nach dem Verbrechen der Hashtag #MuslimLivesMatter kreiert. Die Tweets dazu richten sich vor allem gegen die Medien. Die Zurückhaltung bei der Berichterstattung zu dem Fall legen viele Twitter-User als Islamfeindlichkeit und Ignoranz westlicher Medien gegenüber muslimischen Opfern von Gewalt aus.

Auf Facebook wurde eine Seite in Gedenken an die Opfer eingerichtet. Ein Foto zeigt sie lächelnd bei einer Veranstaltung, bei der es sich um eine Abschlussfeier zu handeln scheint. Die beiden jungen Frauen tragen auf dem Bild Kopftücher.

© Süddeutsche.de/AFP/dpa/dayk
Zur SZ-Startseite