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US-Bundesstaat Kansas:Falscher Notruf - Polizei erschießt unbeteiligtes Opfer

Tod nach falschem Notruf

Polizisten untersuchen in Wichita in Kansa einen Einsatzort. Dort wurde ein Mann nach einem falschen Notruf von einem Beamten erschossen.

(Foto: dpa)
  • Im US-Bundesstaat Kansas ist ein unschuldiger Mann nach einem falschen Notruf von der Polizei erschossen worden.
  • Der Mann, der den falschen Notruf mutmaßlich absetzte, wurde von der Polizei festgenommen.
  • Diese Art falscher Notrufe sind in den USA ein bekanntes Phänomen. Sogenannte "Swatter" hetzen ahnungslosen Menschen ein Swat-Team auf den Hals.

Nach einem falschen Notruf ist in der Stadt Wichita im US-Bundesstaat Kansas ein Mann von der Polizei erschossen worden. Jemand hatte bei der Polizei angerufen und angegeben, es habe eine Schießerei und eine Geiselnahme gegeben. Als die Polizei an der angegeben Adresse vorfuhr, wunderte sich im Inneren des Hauses ein Mann über das Blaulicht auf der Straße, trat aus der Tür - und wurde von der Polizei erschossen. Die Polizei hat mittlerweile einen Verdächtigen festgenommen und geht davon aus, dass er den falschen Notruf tätigte.

An der Adresse, zu der die Polizei von dem Anrufer geschickt worden war, gab es gar keine Schießerei und keine Geiselnahme. Der dort wohnhafte Mann hatte auch die Polizei nicht gerufen. "Wegen der Handlungen eines Spaßvogels haben wir ein unschuldiges Opfer", sagte der Polizeichef. Das Opfer ist Medienberichten zufolge ein 28-jähriger Vater von zwei Kindern.

Die Polizisten waren nach dem falschen Notruf auf eine Geiselsituation vorbereitet und hatten sich um das Haus positioniert. Als ein Mann im Eingang erschien, forderten die Beamten ihn auf, die Hände zu heben. Zunächst habe er gehorcht, dann habe er seine Hände jedoch Richtung Hosenbund herunter- und wieder hochgenommen, berichtete der örtliche Polizeichef. Daraufhin habe ein Beamter auf ihn geschossen.

Der Polizeichef präsentierte Tonaufnahmen des Notrufs, in denen ein Unbekannter behauptete, er habe seinen Vater erschossen und bedrohe seine Mutter und einen jüngeren Bruder in einem kleinen Raum mit einer Waffe. Er drohte zudem, das Haus anzuzünden. Den Beamten blieb nichts anderes übrig, als mit einem Spezialeinsatzkomando zu der Adresse zu fahren.

Hintergrund des falschen Notrufs soll Medienberichten zufolge ein Streit zwischen zwei Spielern eines Online-Computerspiels gewesen sein. Demnach wollte der nun Festgenommene einem anderen Online-Gamer einen Streich spielen, gab jedoch bei der Polizei eine falsche Adresse an. So fuhren die Polizisten zum Haus des 28-Jährigen, der mit dem Streit gar nichts zu tun hatte.

Der Vorfall ist ein tragisches Beispiel für falsche Notrufe, in denen Menschen die Polizei anrufen und über einen erfundenen Vorfall an irgendeiner Adresse berichten. Wozu das Ganze? In manchen Fällen handelt es sich wohl nur um missglückte Scherze, in anderen Fällen soll das Opfer eingeschüchtert, erpresst und terrorisiert werden. Personen, die so etwas machen, nennt man "Swatter". Sie hetzen ahnungslosen Menschen Swat-Teams auf den Hals.

Swatting ist ein amerikanisches Phänomen. Swat-Teams sind vergleichbar mit Spezialeinsatzkommandos in Deutschland, nur deutlich präsenter, selbst in kleineren Städten.

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