Uruguay:Elfjährige verweigert Abtreibung

  • Ein minderjähriges Vergewaltigungsopfer verweigert in Uruguay die Abtreibung. Die Ärzte sagen, die geistig zurückgebliebene Elfjährige könne die Konsequenzen ihrer Weigerung nicht überblicken.
  • Der Fall sorgt auch bei den Behörden für Kontroversen, da das Gesetz einen Schwangerschaftsabbruch nur bis zur zwölften Woche und bei Vergewaltigung bis zur 14. Woche erlaubt.
  • Ein ähnlicher Fall empört seit Tagen die Menschen in Paraguay: Dort verweigern die Behörden einem zehnjährigen Mädchen die Abtreibung, das von seinem Stiefvater vergewaltigt wurde.

In Uruguay hat der Fall eines elfjährigen Mädchens, das mutmaßlich vom Großvater seiner Halbschwester geschwängert wurde, eine Kontroverse ausgelöst. Seine Eltern wollen, dass es abtreibt, doch das Kind selbst weigert sich.

Die Elfjährige ist den Ärzten zufolge in der 16. Woche schwanger, lernbehindert und geistig leicht zurückgeblieben. Die Konsequenzen ihrer Weigerung könne sie nicht überblicken. Wer also soll entscheiden? Die Mutter des Mädchens oder die Schwangere selbst? Die Behörden streiten nun über das weitere Vorgehen. Zumal das Gesetz in Uruguay einen Schwangerschaftsabbruch nur bis zur zwölften Woche und bei einer Vergewaltigung bis zur 14. Woche erlaubt.

Fall sorgt auch bei Behörden für Kontroverse

Wie am Donnerstag bekannt wurde, hatte der 41-jährige Großvater der Halbschwester die Elfjährige während seiner häufigen Besuche im Haus der Familie missbraucht und geschwängert. Er wurde inzwischen festgenommen und wegen Vergewaltigung angeklagt.

Das Mädchen steht seit vier Wochen in einem Kinderkrankenhaus von Montevideo unter Beobachtung. Nach Angaben eines Krankenhaussprechers ist es körperlich völlig gesund. Der Leiterin des nationalen Kinder- und Jugendinstituts (Inau) zufolge könnten die Behörden eine Abtreibung zulassen, wenn sie feststellen, dass die Gesundheit der Elfjährigen gefährdet ist. Die Leiterin der Inau-Gesundheitsabteilung, Monica Silva, sieht dagegen keine rechtliche Handhabe, da das Leben von Mutter und Kind nicht in Gefahr sei.

Ähnlicher Fall in Paraguay

Ein ähnlicher Fall sorgt seit Tagen in Paraguay für Empörung. Dort verweigern die Behörden einem zehnjährigen Mädchen die Abtreibung, das von seinem Stiefvater vergewaltigt wurde und nun im fünften Monat schwanger ist. Die Gesetze erlauben eine Abtreibung nur bis zur 20. Schwangerschaftswoche und das auch nur, wenn das Leben der Mutter in Gefahr ist.

Der Fall wirft ein Schlaglicht auf das soziale Problem des sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen in dem südamerikanischen Land. Amtlichen Statistiken zufolge ist der Missbrauch einer der häufigsten Gründe dafür, warum so viele minderjährige Mädchen in Paraguay schwanger werden. Nach Angaben des UN-Kinderhilfswerks Unicef bringen in dem Land jeden Tag zwei Mädchen im Alter von zehn bis 14 Jahren ein Kind zur Welt.

© SZ.de/AFP/afis/pwe
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB