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Urteil in Osnabrück:Sohn zu Tode geschüttelt - zwölf Jahre Haft

Ohne Grund soll ein 35-Jähriger seinen vier Monate alten Sohn zu Tode geschüttelt haben. Das Osnabrücker Landgericht hat ihn dafür jetzt zu einer hohen Haftstrafe verurteilt. Passanten waren im Februar auf den leblos wirkenden Säugling in seinem Kinderwagen aufmerksam geworden.

Er schüttelte seinen vier Monate alten Sohn im Februar so heftig, dass das Kind schwere Schäden an Gehirn und Rückenmark davontrug - anschließend schob er den verletzten Säugling noch in einem Kinderwagen durch die Osnabrücker Innenstadt. Passanten fiel das leblos wirkende Kind jedoch auf, sie alarmierten die Polizei. Zwei Tage später starb der misshandelte Junge im Krankenhaus.

Das Landgericht Osnabrück hat den Vater jetzt wegen Totschlags zu einer hohen Haftstrafe verurteilt: Zwölf Jahre muss er ins Gefängnis. Damit ging die Kammer noch über die Forderung der Anklage hinaus. Die Staatsanwaltschaft hatte auf elf Jahre Haft plädiert.

"Der Angeklagte wusste von der Möglichkeit des Todes und nahm ihn billigend in Kauf", sagte der Vorsitzende Richter bei der Urteilsverkündung. Besonders schwer wiege der Vorsatz der Tat. Demnach gab es keinen Anlass, das Baby zu schütteln.

Der 35-jährige Angeklagte hatte im Prozess über seinen Anwalt eingeräumt, für den Tod des Säuglings verantwortlich zu sein, sagte aber aus, den Jungen wegen einer Atemnot so heftig geschüttelt zu haben. Das glaubte ihm die Kammer jedoch nicht. Zuvor hatte der Angeklagte gegenüber Ärzten noch behauptet, er habe den Säugling in leblosem Zustand aufgefunden. Seine Nichte habe zuvor auf den Jungen aufpassen sollen.

Ein Gutachter hatte im Prozess bestätigt, dass das Schütteln des Babys zum Tod geführt habe. Das Kind sei so heftig geschüttelt worden, dass auch das Rückenmark beschädigt worden sei, hieß es. Der Junge wäre querschnittsgelähmt gewesen, wenn er die Misshandlung überlebt hätte.

Der 35-Jährige stand bereits 2006 wegen eines ähnlichen Falles vor Gericht. Im Jahr 2005 soll er den etwa ein Jahr alten Sohn seiner Lebensgefährtin schwer misshandelt haben. Ein Gerichtsmediziner konnte damals im Prozess nachweisen, dass das Kleinkind um sein Leben rang, weil es minutenlang gewürgt wurde. Aus Mangel an Beweisen wurde der Mann damals aber freigesprochen.

© Süddeutsche.de/dpa/dapd/vks/leja
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