Urteil im Babymord-Prozess Sechseinhalb Jahre Haft für Mutter

Einem Kind schnitt sie unmittelbar nach der Geburt die Kehle durch, das zweite ertrank in der Badewanne: Wegen zweifachen Totschlags muss eine 36-jährige Mutter sechseinhalb Jahre in Haft. Die Frau hatte vor ihrer Familie versteckt und ohne Kontakt zu den Behörden gelebt.

Zwei Kinder brachte sie zur Welt, beide hat sie sofort danach getötet: Das Braunschweiger Landgericht hat eine 36 Jahre alte Frau zu sechseinhalb Jahren Haft verurteilt. Die Frau sei des zweifachen Totschlags schuldig, urteilte das Gericht.

Die 36-jährige Angeklagte (rechts) hatte gestanden, ihrem neugeborenen Baby die Kehle durchgeschnitten zu haben, ihr zweites Kind ertrank in der Badewanne: Nun muss die Frau für sechseinhalb Jahre ins Gefängnis.

(Foto: dpa)

Die Frau hatte gestanden, 2005 ihrem ersten Kind gleich nach der Geburt die Kehle durchgeschnitten und es am Waller See bei Braunschweig vergraben zu haben.

Das zweite Kind war im Frühjahr 2011 bei der Geburt in der Badewanne ertrunken. Die Mutter sagte aus, sie selbst sei zu dieser Zeit ohnmächtig gewesen. Das Gericht bewertete diesen Fall jedoch als Totschlag durch Unterlassen.

Mit seinem Urteil lag das Gericht zwischen den Forderungen von Staatsanwaltschaft und Verteidigung: Die Anklage hatte siebeneinhalb Jahre Gefängnis gefordert, die Anwältin der Angeklagten auf fünfeinhalb Jahre plädiert.

Während des Prozesses hatte die Lebensgeschichte der Frau im Mittelpunkt gestanden. Nach eigener Aussage war sie mit zwölf Geschwistern und ihren Eltern in einer Dreizimmerwohnung in Celle aufgewachsen. Ihre kurdischen Eltern waren strenggläubige Jesiden. Als 18-Jährige floh sie vor einer drohenden Zwangsheirat zu ihrem Liebhaber nach Braunschweig.

Dort lebte sie seither "im Verborgenen", wie sie selbst sagte. Ohne Ausweis, ohne Krankenversicherung und ohne angemeldeten Wohnsitz kam sie durchs Leben, finanzierte es durch Jobs in der Gastronomie. Für Bekannte und ihre Lebensgefährten erfand sie verschiedene Lügen über ihre Herkunft. Sie erzählte, dass sie im Kloster oder bei Adoptiveltern groß geworden sei.

Zwei Schwangerschaften verheimlicht

Ihre zwei Schwangerschaften verheimlichte sie. Die erste im Jahr 2005 hatte sie nach Ansicht eines Gutachters bis zur Geburt des Kindes verdrängt. Psychisch bescheinigte der Experte der Angeklagten zwar keine Krankheit. Sie habe aber in realitätsferne Zustände fallen können. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass ein solcher Zustand nach der fast 24 Stunden dauernden Geburt im Jahr 2005 vorlag.

Die Frau habe völlig überfordert und wie in Trance zum Messer gegriffen, um ihr Kind zu töten, sagte die Oberstaatsanwältin. Die Mutter verscharrte die Babyleiche am Waller See. Beim Tod des zweiten Kindes gibt es nach Überzeugung der Anklagebehörde hingegen "eine Fülle von Indizien" dafür, dass die Tat geplant war.

Die Mutter, die sich nach eigenen Angaben diesmal auf das Kind gefreut hatte, habe keine Babykleidung oder Windeln gekauft und auch keine Hilfe für die Geburt geholt. Als das Kind nach der Geburt ertrunken sei, habe sie die Leiche "in menschenverachtender Weise" im Müllcontainer einer Tankstelle entsorgt.

Die Verteidigung hingegen betonte die Reue und Einsicht der Frau. Sechs Jahre nach der ersten Tat und unter dem Fahndungsdruck der Polizei sei sie nicht etwa abgetaucht, wie sie es sonst in ihrem Leben getan habe. Sondern sie habe sich der Polizei gestellt und ihre Taten vor Gericht ausführlich und "mit ziemlich viel Mut" geschildert, wie die Verteidigerin sagte. Von den Vätern der Kinder sei die Angeklagte im Stich gelassen worden.