Urteil im Trayvon-Martin-Prozess US-Ministerium prüft Zivilklage gegen Zimmerman

In New York protestieren Tausende gegen Rassismus, US-Präsident Obama mahnt zur Besonnenheit: Nach dem Freispruch im Prozess um den erschossenen schwarzen Jugendlichen Trayvon Martin prüft das US-Justizministerium, ob der Schütze Zimmerman erneut vor Gericht muss.

Nach dem Freispruch im Prozess um den Tod des schwarzen Jugendlichen Trayvon Martin sind am Sonntag in New York Tausende Menschen aus Protest gegen das Urteil auf die Straße gegangen. Auf den freigesprochenen Schützen George Zimmerman kommt möglicherweise ein neues Verfahren zu.

Das US-Justizministerium prüft, ob sich Zimmerman der Verletzung von Bürgerrechten schuldig gemacht hat und deshalb vor ein Bundesgericht gestellt werden könnte. Das berichtet unter anderem der amerikanische Nachrichtensender CNN. Mehrere Organisationen riefen das Justizministerium auf, Zimmerman jetzt wegen Bürgerrechtsverstößen zu belangen.

Die Behörde hatte bereits nach dem Vorfall 2012 eigene Untersuchungen eingeleitet, aber dem staatlichen Strafrechtsprozess in Florida Vorrang eingeräumt. Die Untersuchungen gingen jetzt weiter und würden auch die im Florida-Verfahren vorgelegten Beweise in Betracht ziehen, hieß es laut Medienberichten am Sonntag in einer Ministeriumsmitteilung.

In New York zeigten sich die Demonstranten, darunter neben vielen Schwarzen auch Weiße und Hispanics, empört über den Freispruch des Schützen Zimmerman. "Keine Gerechtigkeit, kein Frieden", rief die Menge, die sich zunächst am Union Square in Manhattan versammelt hatte, bevor sie am Abend zum Times Square marschierte. "Das Volk sagt schuldig", skandierten die Demonstranten mit Blick auf den Nachbarschaftswächter George Zimmerman, der am Samstag von einer Jury in Florida freigesprochen worden war. Auf einen Schild stand: "Sperrt rassistische Mörder ein, nicht schwarze Jugendliche."

"Die Jury hat entschieden"

"Ich bin entsetzt", sagte die 21-jährige Carli Van Voorhis. "Der Mann war bewaffnet, der Junge war es nicht, und der Mann mit der Waffe kommt davon. Wenn wir sagen, dies war keine Rassenfrage, lügen wir." "Wir haben ein großes Problem mit Rasse und ein anderes Problem mit Waffen", sagte ein Redner. "Hätte Zimmerman keine Waffe gehabt, hätte er Trayvon Martin nicht töten können."

US-Präsident Barack Obama rief am Sonntagnachmittag zur Ruhe auf. "Wir sind ein Rechtsstaat, die Jury hat entschieden", erklärte Obama. Zugleich brachte er den Fall in Verbindung mit den Waffengesetzen. "Wir sollten uns fragen, ob wir alles unternehmen, um die Welle der Gewalt mit Schusswaffen aufzuhalten", sagte Obama. Er warb damit für Maßnahmen gegen die Waffengewalt, die er bisher im Kongress nicht durchsetzen konnte.

New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg, der seit langem für strengere Waffengesetze kämpft, äußerte Kritik an Gesetzen wie dem "Stand Your Ground"-Gesetz, das Bürgern in Florida ein ausgeprägtes Recht auf Selbstverteidigung mit Schusswaffen einräumt. "Leider werden alle Fakten in diesem tragischen Fall wohl nie bekannt werden. Doch eine Tatsache ist seit langem kristallklar: Schieß-zuerst-Gesetze wie in Florida, können zu gefährlicher Selbstjustiz führen und jene schützen, die unbesonnen mit Waffen umgehen", sagte Bloomberg.

Der 29-jährige Hispano-Amerikaner Zimmerman hatte den 17-jährigen schwarzen Trayvon Martin im Februar 2012 erschossen, als er für eine Bürgerwehr auf Patrouille war. Die Anklage argumentierte, dass Zimmerman den Teenager verfolgte und dann tötete. Sie brachte dabei indirekt Rassismus als Tatmotiv ins Spiel. Die Verteidiger beriefen sich dagegen auf Notwehr. Eine Geschworenenjury in Sandford hatte Zimmerman am späten Samstagabend freigesprochen

Nach US-Recht könnte Zimmerman zwar nach seinem Freispruch nicht erneut wegen Mordes mit bedingtem Vorsatz oder Totschlags vor Gericht gestellt werden. Aber eine Anklage wegen Bürgerrechtsverletzungen vor einem Bundesgericht wäre möglich, weil es sich um einen anderen Vorwurf handelt - wenn auch im Zusammenhang mit derselben Tat.