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Urteil im Kindermord-Prozess:"Diese Tat ist ohne Beispiel"

Drei Kinder erstochen: Prozessurteil in Dortmund

Die Angeklagte verbirgt bei einem Gerichtstermin ihr Gesicht hinter Akten.

(Foto: dpa)

Muharrem T. will mit seiner neuen Lebensgefährtin von vorne beginnen. Die jedoch sieht seine drei Kinder als Hindernis für ihr Glück - und ermordet sie. Jetzt wurde sie zu lebenslanger Haft verurteilt.

Das Leben hat es nicht gut gemeint mit Muharrem T. Es ist eigentlich nichts mehr übrig von dem, wie es zu glücklichen Zeiten war. Vor ein paar Jahren hat er seine Frau verloren, sie hatte den Schlüssel vergessen und wollte über den Balkon in die Wohnung klettern. Den Sturz überlebte sie nicht. Muharrem T. zog mit den drei Kindern von Wuppertal nach Dortmund, um ein neues Leben zu beginnen. Anfangs sah es gut aus, im "Scharfen Eck", der Kneipe seines Onkels, traf er Milka D., 30, die dort kellnerte, aber irgendwie zu gut zu sein schien für den Job. Ein halbes Dutzend Sprachen spricht sie fließend, hat studiert, ist schlau, hat einen überdurchschnittlichen IQ. Die beiden wurden ein Paar. "Und am Anfang war alles gut", sagt Muharrem T., der als Schweißer arbeitet.

Dann wurde es die Hölle. Milka brachte seine Kinder um, mit einem Messer stach sie auf die drei ein: auf Mustafa, 4, auf Mehmet, 10, und auf Zilan, 12. Das Landgericht Dortmund verurteilte die 30-jährige Bulgarin deshalb am Mittwoch zu lebenslanger Haft. Die Angeklagte habe im August 2012 gemordet, weil ihr die Kinder schlicht im Weg gewesen seien, sagte der Vorsitzende Richter Wolfgang Meyer.

Die Schwurgerichtskammer stellte gleichzeitig die besondere Schwere der Schuld fest. Damit ist eine vorzeitige Haftentlassung nach 15 Jahren ausgeschlossen. "Diese Tat ist für uns ohne Beispiel", sagte Meyer. Sie stehe sittlich gesehen auf der untersten Stufe und erinnere an die Gräueltaten in Bürgerkriegsgebieten. Nachdem die Kinder tot waren, habe die Angeklagte die Wohnung angezündet und den Tod der Nachbarn in Kauf genommen.

Zeugen hatten im Verlauf des Prozesses geschildert, dass die Angeklagte anfangs gut mit den Kindern ihres neuen Lebensgefährten ausgekommen sei. Nicht aber mit dessen Verwandten, denen habe die bulgarische Herkunft der Frau missfallen. Dies habe sich allmählich auch auf die Kinder übertragen. Eine Zeugin, eine Bekannte des Vaters, sagte aus, dass vor allem die älteste Tochter Zilan die neue Freundin des Vaters regelrecht gehasst habe und sie angeblich der Prostitution verdächtigte. "Sie wurden beeinflusst", sagt selbst der Vater. Er traf damals die Entscheidung, seine drei Kinder in die Türkei zu schicken, zu Verwandten. Die Pässe lagen schon im Konsulat. Wenige Tage vor der Abreise stach Milka D. zu.