bedeckt München 19°
vgwortpixel

Urteil im Fall Kachelmann:Ein Freispruch - und viele Fragen

Ist Jörg Kachelmann nun endgültig ein freier Mann? Ist sein Freispruch ein "Freispruch zweiter Klasse", wer trägt die Kosten des Verfahrens - und wird seine Exfreundin wegen Falschaussage belangt? Nach dem Urteil in Mannheim beantwortet sueddeutsche.de die wichtigsten Fragen.

Ist Kachelmann jetzt endgültig freigesprochen?

Kachelmann-Prozess

Die Archivaufnahme zeigt Jörg Kachelmann beim Verlassen des Gerichtssaals. Nach 44 Verhandlungstagen ging der Prozess gegen den TV-Moderator zu Ende.

(Foto: dpa)

Nein, das Urteil des Mannheimer Landgerichts ist noch nicht rechtskräftig. Der Freispruch muss daher nicht das letzte Wort sein. Sowohl Staatsanwaltschaft als auch Kachelmanns Verteidiger und die Nebenklägerin - Kachelmanns Ex-Geliebte - können gegen das Urteil binnen einer Woche Revision einlegen. Der Fall würde dann vor den Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe gehen.

Anders als bei der Berufung - die hier nicht zulässig ist - kommt es bei der Revision aber nicht zu einer völlig neuen Verhandlung. Der BGH prüfe lediglich, "ob das Landgericht die Rechtsnormen richtig angewendet hat", erklärt der Professor für Straf- und Strafprozessrecht an der Ludwig-Maximilians-Universität München, Ulrich Schroth, im Gespräch mit sueddeutsche.de. Dabei können auch keine neuen Beweise oder Tatsachen mehr vorgebracht werden.

Nach Angaben von Schroth mischen sich die BGH-Richter auch kaum mehr in die Würdigung der schon bestehenden Beweise ein. Es könne höchstens gerügt werden, dass das Landgericht auf der Hand liegende Beweise außer Acht gelassen hat. Das gilt in diesem Prozess - in dem es immerhin mehr als 30 Zeugen und zig Gutachten gab - aber als sehr unwahrscheinlich.

Die Mannheimer Staatsanwaltschaft kündigte bisher lediglich an, zu prüfen, ob sie Revision einlegt. Ob die Nebenklage über Rechtsmittel nachdenkt, ist nicht bekannt. Kommt es zur Revision und wäre diese erfolgreich, würde der BGH das Urteil aufheben und den Prozess zurück an das Landgericht verweisen.

Dann wäre es rein theoretisch möglich, wenn auch eher unwahrscheinlich, dass Kachelmann doch noch zu einer Haftstrafe verurteilt wird.

  • Themen in diesem Artikel: