Ostermesse von Papst Franziskus Reduziert auf das Wesentliche

Ohne Prunk, aber mit viel Nähe zu den Gläubigen: Papst Franziskus verzichtet auf die Ostergrüße in 65 Sprachen und nimmt sich lieber Zeit für die mehr als 200.000 Menschen auf dem Petersplatz.

Von Jana Stegemann

Worum es ihm geht, hat dieser neue Papst in den vergangenen Wochen immer wieder deutlich gemacht - einen grundlegenden Richtungswechsel in der katholischen Kirche. So stand auch die erste Ostermesse von Franziskus unter diesem Zeichen: Sie war beinah revolutionär kurz. Die Gabenprozession wurde ausgelassen. Auf ausdrücklichen Wunsch des neuen Pontifex.

Auch die bisher üblichen Ostergrüße in 65 Sprachen ließ der 76-Jährige weg. Lediglich auf Italienisch und Latein spendete er den Segen "Der Stadt und dem Erdkreis" ("Urbi et Orbi") und bedankte sich für den Blumenschmuck. Das vatikanische Presseamt dürfte von der Entscheidung Franziskus' nichts gewusst haben, hatten Mitarbeiter die Segenssprüche in den verschiedenen Landessprachen doch noch um 12.01 Uhr verteilt. Auch die meisten Nachrichtenagenturen meldeten wie gewohnt die Segnungen in den verschiedenen Sprachen.

Die Messe in der Osternacht war ebenfalls leicht verkürzt worden. Unter seinem Vorgänger, Papst Benedikt XVI., hatte die Liturgie der Osternacht etwa drei Stunden gedauert. Für Papst Franziskus zu lang. Er wolle sich "auf das Wesentliche" beschränken, hatte er mit Blick auf seine Vergangenheit als Jesuit angekündigt. Sich denen zuwenden, die ihm so sehr am Herzen liegen: den Gläubigen.

Ostern im Vatikan

"Friede für diese unsere Erde"

So stieg Franziskus nach der Heiligen Messe, die er vor dem Petersdom unter einem roten Baldachin und zwischen einem Meer aus 40.000 Blumen, zumeist gelbe Tulpen und weiße Rosen, gefeiert hatte, in das offene Papamobil, um ganz nah bei den mehr als 200.000 Gläubigen auf dem Petersplatz zu sein, die seiner ersten Messe als Kirchenoberhaupt beigewohnt hatten.

"Verkündet das Evangelium"

Dabei verzichtete Bergoglio - wie schon bei seiner Amtseinführung - auf Prunk und Pomp. Er habe darauf bestanden, sich in seinem weißen Alltagsgewand den Menschen zu zeigen, hieß es. Als Papst zum Anfassen. Er küsste Babys, segnete behinderte Kinder - und nahm sogar ein Fußballtrikot entgegen, das ihm ein Pilger reichte.

In seiner Predigt hatte er nachdrücklich die Kriege und Konflikte in Syrien, Mali und auf der koreanischen Halbinsel verurteilt. Der Friede in der Welt werde von einem Egoismus bedroht, der den Menschenhandel fortsetze, Gewalt in Drogenkriegen bedeute und die Ausbeutung der natürlichen Ressourcen, kritisierte Franziskus.

Vor seiner Rundfahrt über den Petersplatz hatte er jedem Kardinal persönlich die Hand geschüttelt und "Frohe Ostern" gewünscht. Bestimmt und freundlich. Ebenso wie er ihnen seit Beginn seiner Amtszeit immer wieder gesagt haben soll: "Geht raus und verkündet das Evangelium. Aber nicht zu eurem Selbstzweck."

Dieser Papst lehnt den Personenkult ab und stellt die Evangelisierung in den Vordergrund - das wurde auch schon in den vorherigen Wochen deutlich. Insbesondere durch die Veröffentlichung jener fünfminütigen Rede, die Jorge Mario Bergoglio in der Kardinalsversammlung in Rom kurz vor seiner Wahl zum Papst hielt. Sie kritisiert scharf die "kirchliche Selbstbezogenheit" und einen "theologischen Narzissmus".

Was das Pontifikat des Franziskus' bringen wird? Auf jeden Fall einige Überraschungen. So rief der Papst in seiner Predigt in der Osternacht die Gläubigen dazu auf: "Verschließen wir uns nicht dem Neuen, das Gott in unser Leben bringen will."

Papst Franziskus

Vom Arbeiterkind zum Pontifex

Mit Material von dpa und AFP