Süddeutsche Zeitung

Unwetter über Deutschland:Mann in Sachsen nach Sturzflut vermisst - Lage in Hof entspannt sich

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Besonders intensiver Starkregen, Erdrutsche und Blitzschäden sorgen in vielen Teilen Deutschlands für Chaos. Im Landkreis Hof wurde abends Katastrophenalarm ausgerufen.

Stundenlange Unwetter mit heftigem Regen und Gewittern haben in Oberfranken Straßen überflutet und Keller volllaufen lassen. Besonders betroffen war der Landkreis Hof, wo am Dienstagabend der Katastrophenalarm ausgerufen wurde. "Vor allem der nördliche Bereich des Landkreises ist seit dem späten Nachmittag anhaltend von Regenfällen und zum Teil starken Überschwemmungen betroffen", teilte das Landratsamt in der Nacht zu Mittwoch mit. "Dies betrifft sowohl Hauptverkehrsadern als auch Wohnhäuser und mehrere Firmengebäude."

Zahlreiche Straßen wurden überflutet, etwa die Bundesstraße 173 bei Köditz. Auch auf der Autobahn 72 bei Hof wurde der Verkehr durch auf der Straße stehendes Wasser behindert. Die Feuerwehren waren im Dauereinsatz, um Wasser aus Kellern zu pumpen und Sandsäcke zu beschaffen. Einige Bewohner hätten ihre Häuser zeitweise verlassen müssen. Wegen der Vielzahl der Anrufe war vereinzelt der Notruf 112 nicht sofort erreichbar, die rettungsdienstliche Versorgung sei jedoch sichergestellt, hieß es vom Bayerischen Roten Kreuz.

Am Morgen hatte sich die Lage in Oberfranken wieder etwas entspannt, die Katastrophenlage konnte aufgehoben werden. Die Helfer hätten die ganze Nacht durchgearbeitet, sagte ein Sprecher der Feuerwehr Hof. Auch am Morgen hätten die Rettungskräfte noch viel zu tun. Die Grundschule in Selbitz sowie einige Kindertagesstätten bleiben am Mittwoch geschlossen.

Im sächsischen Jöhstadt (Erzgebirgskreis) riss eine Sturzflut eine Person mit sich. Die Feuerwehr, die noch am späten Abend im Einsatz war, suchte zunächst ohne Erfolg nach der Person, wie die Polizei mitteilte. Weitere Einzelheiten zu dem Unglück konnten die Beamten am späten Dienstagabend nicht mitteilen.

In Mannheim fielen Bäume auf geparkte Fahrzeuge. Verletzt worden sei jedoch niemand, so die Feuerwehr. In Hockenheim mussten zwei Autos geborgen werden, deren Fahrer erfolglos versucht hatten, eine Straße mit starker Wasseransammlung zu durchfahren. In Hagen musste die Feuererwehr Autofahrer in einer überschwemmten Unterführung aus ihren Wagen befreien.

In vielen Regionen Deutschlands drohen auch in den kommenden Tagen Unwetter mit heftigem Regen. Bereits für Dienstagnachmittag galten Warnungen für mehrere Bundesländer im Westen und Süden Deutschlands, rund um die Eifel wurde sogar die höchste Unwetterwarnstufe wegen extrem ergiebigen Dauerregens ausgerufen. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnt vor Starkregen und Gewittern.

"Tiefdruckgebiete in Verbindung mit warmer und sehr feuchter Luft - das bedeutet im Sommer oft nichts Gutes", sagte DWD-Meteorologe Felix Dietzsch. Eine solche Wetterlage führe in der Regel zu anhaltenden und kräftigen Niederschlägen.

Zunächst waren die Auswirkungen des Starkregens im Westen Deutschlands zu spüren. Am Rhein in Köln-Deutz schwappte das Wasser auf die Uferpromenade. Der Pegelstand lag dort am Dienstagmittag bei 5,39 Metern - mit langsam steigender Tendenz, wie die Stadtentwässerungsbetriebe mitteilten. Von der sogenannten Hochwassermarke I (6,20 Meter) lag der Wasserstand damit aber noch ein Stück entfernt. Ab dieser Marke gelten erste Einschränkungen für den Schiffsverkehr.

Waldbesitzern hingegen kommt der Regen gelegen. Jerg Hilt, der Geschäftsführer der Forstkammer Baden-Württemberg, einer Interessenvertretung von Waldbesitzern, sagte: "Der Wald kann im Moment jeden Tropfen Regenwasser gebrauchen. Wir sind heilfroh, dass wir nicht das vierte Trockenjahr in Folge haben."

Im Laufe der Nacht soll der Gewitterkomplex weiterziehen

Die Ursache des Dauerregens ist Tief Bernd, dessen Zentrum am Dienstag über der Mitte Deutschlands lag und sich nur langsam in nordöstlicher Richtung bewegte. Die Gewitterfront, die zunächst den Westen und Süden erfasst hat, zog am Abend auch in Richtung Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen. Gleichzeitig wurden der Westen und Südwesten Deutschlands von neuen Starkregengebieten erfasst, die bis Donnerstag enorme Niederschlagsmengen hervorrufen können.

In Teilen Nordrhein-Westfalens und Rheinland-Pfalz könnten bis dahin verbreitet unwetterartige Mengen fallen, stellenweise bis zu 200 Liter innerhalb von 48 Stunden.

Allzu große Hoffnung auf Besserung macht DWD-Meteorologe Dietzsch nicht: "Kräftiger Regen und Gewitter werden uns wohl noch bis mindestens Freitag begleiten. Erst zum Wochenende zeichnet sich von Nordwesten her eine zunehmende Wetterberuhigung ab. Dann wird es verbreitet freundlich bei angenehmen Sommertemperaturen um 25 bis 28 Grad."

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