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Unwetter:"Friederike" bringt Chaos

Das stärkste Orkantief seit elf Jahren wirbelt Deutschland durcheinander, mit teils gravierenden Folgen: Mehrere Menschen sterben, die Bahn stellt bundesweit den Zugverkehr ein, innerdeutsche Flüge werden gestrichen.

Es ist selten, dass auf der laufend aktualisierten Deutschlandkarte des Meteorologie-Anbieters "Unwetterzentrale" ein derart großer violetter Bereich zu sehen ist. Doch genau das ist am Donnerstag passiert. Das Band zog sich quer über Deutschland, von West nach Ost, und umfasste das nördliche Nordrhein-Westfalen, das südliche Niedersachsen, Sachsen-Anhalt sowie Teile Brandenburgs und Sachsens. Violett, das bedeutet: extremes Wetterereignis.

Das Tief Friederike ist über Deutschland hinweggezogen, es wurde vom Deutschen Wetterdienst (DWD) zum Orkan heraufgestuft - es war der schwerste Orkan seit elf Jahren. Fast die gesamte Mitte des Landes war betroffen. Auf dem Brocken im Harz etwa wurden 203 km/h gemessen, im Tiefland lagen die Spitzengeschwindigkeiten bei 134 km/h (in Nordhessen).

Mindestens sechs Menschen kamen bundesweit ums Leben. In Emmerich am Niederrhein wurde ein 59-Jähriger auf einem Campingplatz von einem Baum erschlagen; in Baden-Württemberg starb ein 23-Jähriger, er saß auf dem Beifahrersitz eines Wagens, der gegen einen Sattelzug schlitterte. In Bad Salzungen in Thüringen tötete ein umstürzender Baum einen Feuerwehrmann, im Sauerland starb ebenfalls ein Feuerwehrmann, und im Süden Brandenburgs kam ein Lastwagenfahrer ums Leben, dessen LKW auf der Autobahn umgestürzt war.

Auch die Auswirkungen, die Friederike auf den Verkehr hatte, waren gewaltig. Zunächst stellte die Bahn den Verkehr in Nordrhein-Westfalen und in Niedersachsen ein, dann auch den Fernverkehr bundesweit. Nur noch Regionalzüge verkehrten, weil zahlreiche Abschnitte durch umgestürzte Bäume blockiert waren. "Das ist eine notwendige Sicherheitsmaßnahme, weil die Störungen doch so gravierend sind, dass wir Fernzüge schlichtweg nicht mehr durchbekommen", sagte ein Bahnsprecher. An den Flughäfen Hannover, Bremen und München wurden mehrere innerdeutsche Flüge der Lufthansa gestrichen. Der Fernverkehr der Bahn sollte am Freitagmorgen wieder anrollen. Jedoch sind in einigen Regionen weiter Einschränkungen zu erwarten. Insbesondere in Nordrhein-Westfalen und in Niedersachsen seien noch wichtige Strecken gesperrt, teilte die Bahn am Donnerstagabend mit.

An vielen Orten fiel am Donnerstag der Schulunterricht aus, auch Museen und Zoos wurden geschlossen. In Pößneck (Thüringen) wurde das Dach einer Schule abgerissen, in der sich noch Kinder befanden. Alle Schüler blieben unverletzt. Das Dach des Grundschulgebäudes landete auf dem Schulhof. In Düsseldorf und Essen war der Unterricht am Morgen zunächst begonnen worden, dort forderte die Stadtverwaltung am Vormittag die Eltern allerdings auf, ihre Kinder abzuholen.