Untersuchungsausschuss Köln: Ex-Polizeichef bittet Silvester-Opfer um Verzeihung

Wolfgang Albers im Untersuchungsausschuss des Landtags in Düsseldorf.

(Foto: dpa)
  • Im Untersuchungsausschuss zur Silvesternacht in Köln war der ehemalige Polizeipräsident als Zeuge geladen.
  • Wolfgang Albers entschuldigte sich bei den Opfern für den unzureichenden Polizeischutz.
  • Über den Zeitpunkt der Kritik aus dem Innenministerium zeigte er sich verwundert.

"Ich bitte die betroffenen Frauen um Verzeihung", sagte Kölns ehemaliger Polizechef im Untersuchungsausschuss "Silvesternacht". Dass ihnen die Polizei unter seiner Führung nicht ausreichend Schutz geben konnte, bewege ihn seit diesem Tag, sagte Albers bei seiner Zeugenaussage in Düsseldorf. Sexuelle Nötigung und Vergewaltigung seien Taten, die in ganz besonderem Maße verletzten und demütigten.

Persönlich scheint Albers sich jedoch keiner Schuld bewusst zu sein. Zwischen Weihnachten und Neujahr sei er im Urlaub gewesen. Von den Vorfällen habe er erfahren, als er kurz nach Mitternacht von einer privaten Party aus auf der Leitstelle anrief, um ein frohes neues Jahr zu wünschen. "In die Vorbereitungen war ich nicht eingebunden", sagte der ehemalige Polizeipräsident.

Bürgermeisterin als erste informiert

In jener Nacht hätten die Kollegen ihm am Telefon erklärt, dass der Bahnhofsvorplatz geräumt worden sei. Später habe die Polizeisprecherin auch von sexuellen Übergriffen berichtet. Als sich die Erkenntnisse am 2. Januar verdichtet hätten, habe er Oberbürgermeisterin Henriette Reker informiert. Er habe erst sie in Kenntnis setzen wollen, dann die Medien. Angesichts der Diskussionen über die Flüchtlingspolitik habe er "nicht leichtfertig" informieren wollen, jedoch immer gesagt, was er aktuell wusste, sagte der frühere Polizeichef nach Angaben des WDR.

Albers wurde vorgeworfen, die Öffentlichkeit nach den Vorfällen nicht rechtzeitig informiert und Details über die Herkunft der Verdächtigen zurückgehalten zu haben. Die NRW-Regierung hatte ihn eine Woche nach den Übergriffen in den einstweiligen Ruhestand versetzt.

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Bauernopfer Albers?

Auf die Frage des FDP-Abgeordneten Marc Lürbke, ob er sich als Bauernopfer fühle, mit dem das Innenministerium aus der Schusslinie genommen werden sollte, antwortete Albers mit einem Verweis auf das Alte Testament. Nachdem er im 3. Buch Mose nachgelesen habe, was es mit dem Sündenbock auf sich habe, habe er festgestellt: "Da ist wahrscheinlich was dran, ja."

Albers äußerte Verwunderung über die erst "im Nachhinein" geäußerte Kritik des Innenministeriums an der Einsatzplanung. Im Vorfeld habe es keine Rügen gegeben, vielmehr seien die Kölner Einsatzplanungen als vorbildlich gelobt worden, sagte Albers nach Angaben des WDR. Die Kommunikationsprobleme zwischen NRW-Polizei, Bundespolizei und der Stadt Köln waren aus Albers' Sicht "so nicht vorhersehbar".

In der Silvesternacht waren Hunderte Frauen am Kölner Hauptbahnhof von Männergruppen bedrängt und beraubt worden; auch Vergewaltigungen wurden angezeigt. Ein Großteil der etwa 160 Beschuldigten ist nach Angaben der Staatsanwaltschaft nordafrikanischer Herkunft.

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