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SZ-Serie "Ein Anruf bei":"Wir lassen nur neue Schlüpfer vergraben"

Schweizer vergraben 2000 Unterhosen

Frisch eingegraben, halb zersetzt ausgegraben: Mit Unterhosen wollen Schweizer Forscher den Boden untersuchen.

(Foto: Nicolas Zonvi/dpa)

Warum die Universität Zürich 2000 Unterhosen von Freiwilligen im Schweizer Boden verbuddeln lässt.

Interview von Viktoria Spinrad

"Beweisstück Unterhose" heißt der Versuch, für den die Universität Zürich demnächst 2000 strahlend weiße Bio-Baumwoll-Schlüpfer von 1000 freiwilligen Projektteilnehmern im Schweizer Boden vergraben lässt. Was dahintersteckt, erklärt der Ökologe und Projektleiter Marcel van der Heijden.

SZ: Herr van der Heijden, warum, bitte, lassen Sie ausgerechnet Unterhosen vergraben?

Marcel van der Heijden: Wir möchten den Menschen klarmachen, wie wichtig der Boden ist. Er wird teilweise sehr intensiv bearbeitet, stark gedüngt und oft werden Monokulturen angebaut. Mit jeder Bebauung wird die Biodiversität im Boden gefährdet. Der Boden ist ein unsichtbares Universum mit unglaublich vielen Arten von Bakterien, Pilzen und anderen Lebewesen. Eine Welt, die die Menschen besser kennenlernen sollen!

Ja gut, aber noch mal zurück zu den Unterhosen: Warum müssen ausgerechnet die unter die Erde?

Normalerweise nimmt man Teebeutel, um anhand der Zersetzung die Bodenqualität zu messen. Da gibt es standardisierte Sorten einer Firma aus Holland: einmal einen Grünen, der wird recht schnell zersetzt, Rooibos braucht etwas länger. Aber wenn ich bei einem Mitmachprojekt 1000 Leute frage, ob sie lieber Teebeutel oder Unterhosen verbuddeln wollen, ist die Antwort klar.

Ist das wissenschaftlich nicht auch etwas angreifbar? In einer Unterhose sind ja schließlich schon mal mindestens drei Löcher drin.

Wir lassen nur neue Schlüpfer vergraben. Wir wollen untersuchen, ob Baumwoll-Unterhosen neben Teebeuteln geeignet sind, um die Bodenqualität zu bestimmen. Wir erwarten: Je weniger Unterhose überbleibt, desto besser.

Marcel van der Heijden, 50, von der Universität Zürich, verschickt Unterhosen an Hobbygärtner, um die Bodenqualität zu erforschen.

(Foto: privat)

Sie verschicken die immer gleiche Unterwäsche. Warum dürfen die Teilnehmer nicht ihre eigene verbuddeln?

Damit die Ergebnisse vergleichbar sind. Sonst benutzt der eine seine schwarze Unterhose, der andere seine mit Plastikteilchen, die nicht abgebaut werden. Dann sind die Ergebnisse nicht mehr vergleichbar. Es ist alles wissenschaftlich durchdacht! Das Projekt Beweisstück Unterhose sollte auf eine lustige und inspirierende Art zeigen, wie wichtig Bodenlebewesen für Pflanzen, für Ökosysteme und für uns Menschen sind.

Und wie misst die Wissenschaft den Zersetzungsgrad?

Die Teilnehmer können Fotos der Unterhosen sowie Bodenproben einschicken. Von einem Teil wird der pH-Wert bestimmt, von manchen Bodenproben wird auch DNS isoliert. Damit bestimmen wir die Vielfalt der Bakterien und Pilze im Boden.

Vielleicht wächst aus dem Boden demnächst ja auch etwas ganz Neues. Zum Beispiel eine Unterhosensis subterra?

Wer weiß. Im Boden gibt es noch so viele unentdeckte Arten!

© SZ/moge
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