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Untergang der Estonia:Bei der Untersuchung ging vieles schief

Bei der Untersuchung nach dem Unglück ging vieles schief: Der Bericht erwies sich als lückenhaft. Schon vor Veröffentlichung hatten Mitglieder der Untersuchungskommission reklamiert, dass Fakten unterschlagen worden seien. Ein Mitglied warf dann auch noch einen Teil des Atlantikschlosses, das das Bugvisier sichern sollte, zurück ins Meer. Ausgerechnet für dieses wichtige Beweisstück war offenbar kein Platz mehr im Hubschrauber.

Später wurde bekannt, dass auf der Estonia Rüstung transportiert wurde. Wurde russische Militärtechnik geschmuggelt? Wurde das Schiff deswegen versenkt? Ist die Bug-Klappe abgesprengt worden? Gab es noch ein Loch im Rumpf, das das schnelle Sinken erklären könnte?

Bücher sind dazu geschrieben, Dokumentarfilme gedreht worden. Experten, Journalisten und Juristen forderten, das Wrack noch einmal zu untersuchen. Doch das Tauchverbot blieb bestehen.

2006 ließ die schwedische Regierung stattdessen prüfen, ob die Art und Weise, wie das Schiff sank, zur Bugklappen-Erklärung passt. Beauftragt wurde unter anderen die Hamburgische Schiffbau-Versuchsanstalt (HSVA) und die Technische Universität Hamburg-Harburg (TUHH). Die Experten nutzen die selben Daten, Zeugenaussagen und alten Videoaufnahmen wie die Kommission damals - und kamen auch etwa zum gleichen Schluss.

Stefan Krüger, Leiter des Instituts für Schiffssicherheit an der TUHH, hätte sich allerdings neue Bilder vom Wrack gewünscht. "Es wäre nützlich gewesen, insbesondere den Zustand des Autodecks zu sehen, um unsere Berechnungen überprüfen zu können", sagt er. Ausgerechnet vom Autodeck gibt es aber kein Video-Material.

"Es war eine historisch falsche Entscheidung"

Zur Pressekonferenz der SEA in Stockholm sind vor dem Jahrestag einige Kamera-Teams gekommen. Sie interviewen wieder die selben Männer, die seit 20 Jahren die selben Fragen stellen. Kent Härstedt ist da, Estonia-Überlebender und seit 1998 im Schwedischen Parlament.

Er fordert, so viele Opfer wie möglich so schnell wie möglich zu bergen, bevor die Estonia von Hobbytauchern und Souvenirjägern heimgesucht wird, denn das ist trotz des Abkommens nicht auszuschließen: Schwedische Medien haben bereits über nicht autorisierte Aktivitäten in Wrack-Nähe berichtet.

"Es war eine historisch falsche Entscheidung, die Estonia nicht zu bergen. Es ist keine Frage von Geld oder Technik, sondern nur des politischen Willens", sagt Härstedt. Völlig klar, findet er, dass Angehörige denken, die schwedische Regierung habe etwas zu verbergen.

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