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Uni-Skandal:Urteil mit Signalwirkung

Felicity Huffman, William H. Macy

Felicity Huffman: „Es gibt keine Ausreden“.

(Foto: Michael Dwyer/AP)

Die US-Schauspielerin Felicity Huffman wollte mit Geld und auf illegale Weise ihrer Tochter einen Studienplatz verschaffen. Jetzt muss sie ins Gefängnis. 14 Tage.

Der erste Teil der Nachricht klingt sehr aufregend: Die Schauspielerin Felicity Huffman, bekannt aus der TV-Serie "Desperate Housewives", muss ins Gefängnis. Sie hatte sich schuldig bekannt, insgesamt 15 000 US-Dollar (13 500 Euro) dafür bezahlt zu haben, dass die Antworten ihrer Tochter Sofia beim Test für die Aufnahme an amerikanischen Universitäten nachträglich aufgebessert wurden. Über den zweiten Teil der Nachricht (die Haftdauer beträgt 14 Tage, Huffmans Anwälte haben ein Gefängnis beantragt, das laut Forbes zu den zehn angenehmsten der USA gehört) wird gerade heftig debattiert.

Wirklich interessant war jedoch, wie das Urteil in Juristenkreisen aufgenommen wurde: Andere Richter und andere Anwälte, hieß es dort, würden dieses Ergebnis jetzt als Maßstab betrachten.

Es war der größte Betrugsfall der amerikanischen Uni-Geschichte, und es war eine große gesellschaftliche Debatte, die sich daraus entsponnen hat: Vermögende Eltern haben mit unlauteren Mitteln versucht, ihren Kindern Zugang zu Elite-Colleges zu verschaffen - dass sie das mit erlaubten Maßnahmen wie großzügigen Spenden tun, ist bekannt.

Das amerikanische Bildungssystem ist nicht darauf ausgelegt, jedem Kind die gleiche Bildung und damit die gleiche Chance auf ein erfolgreiches Berufsleben zukommen zu lassen, es bevorzugt die Reichen und Mächtigen. Das bedeutet aber auch: Es benachteiligt alle anderen, die deshalb keinen Studienplatz bekommen.

Genau deshalb ist das Urteil so bedeutsam, genau deshalb wird es so kontrovers diskutiert: Huffman hatte argumentiert, dass in ihrem Fall niemand zu Schaden gekommen sei, weil ihre Tochter im besagten Jahr auf einen Uni-Besuch verzichtet und keinen Studienplatz in Anspruch genommen hatte. Das Gericht ist diesem Argument nicht gefolgt, es hat sich stattdessen für eine Haftstrafe entschieden. "Sie haben in diesem System versucht, ihrem Kind einen Vorteil zu verschaffen", sagte die Richterin, "ohne die Gefängnisstrafe hätten sie sich fragen lassen müssen, wie Sie damit durchgekommen sind."

Huffman, 56, ist die Erste, die im Zuge des Uni-Skandals verurteilt worden ist. Insgesamt 51 Personen sind angeklagt, darunter 34 Eltern. Dieses erste Urteil ist deshalb bedeutsam, weil sich die anderen Verhandlungen daran orientieren dürften, auch wenn sich die einzelnen Fälle nur schwer miteinander vergleichen lassen. Der Schauspielerin Lori Loughlin und dem Modedesigner Mossimo Giannulli zum Beispiel wird vorgeworfen, insgesamt eine halbe Million US-Dollar dafür bezahlt zu haben, dass die beiden Töchter an der University of Southern California aufgenommen werden. Eine andere Familie hatte 1,2 Millionen Dollar für einen Platz in Yale bezahlt.

Loughlin und Giannulli haben sich bereits für nicht schuldig erklärt mit der Begründung, dass ihnen nicht bewusst gewesen sei, das Gesetz gebrochen zu haben. Doch selbst wenn ähnliche Haftstrafen auf beide warten - es wird mehr brauchen, um die Ungerechtigkeiten im US-Bildungssystem zu überwinden.

Was immerhin ein Anfang ist: Einsicht. Felicity Huffman zum Beispiel ließ inzwischen eine Erklärung veröffentlichen: "Ich habe das Gesetz gebrochen. Ich habe das zugegeben und mich wegen dieses Verbrechens schuldig bekannt. Es gibt keine Ausreden oder Rechtfertigungen für mein Handeln. Punkt."