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Unglück von Madrid:Spanair-Jet prallte mit dem Heck auf

Eine Woche nach der Flugzeugkatastrophe rekonstruieren Experten den Absturz: Demnach ist die Maschine zuerst mit dem Heck auf die Erde geprallt.

Die verunglückte Spanair-Maschine MD-82 ist bei dem Unglück vor einer Woche zuerst mit dem Heck auf die Erde geprallt. Dies hat die Expertenkommission bekannt gegeben, die die Ursachen der Katastrophe aufklären soll.

Das ausgebrannte Heck des Fliegers steckte 60 Meter von der Rollbahn entfernt in der Erde.

(Foto: Foto: dpa)

Demnach habe die Maschine keinerlei Spuren auf der Piste hinterlassen. Die ersten Spuren des Absturzes befinden sich 60 Meter von der Rollbahn entfernt, wo das Heck des Flugzeugs nach dem Aufprall abbrach.

Nach Angaben der Kommission raste die Maschine daraufhin noch 1200 Meter weiter, prallte insgesamt dreimal auf den Boden, schoss über eine Böschung hinaus und ging in einem Flusstal in Flammen auf.

Unglücksflieger hatte schon vor einem Monat Probleme

Zu der Unglücksursache konnten die Experten allerdings keine neuen Angaben machen. Erst am Tag zuvor wurde bekannt, dass ein Triebwerk des Unglücksfliegers auf Umkehrschub geschaltet war. Dies wiederum gab Anlass zu neuen Spekulationen über die Unglücksursache.

Unterdessen ging die Vernehmung der Zeugen durch die Polizei weiter. Fluglotsen des Madrider Airports sagten aus, der Pilot des abgestürzten Spanair-Jets hatte keine Zeit mehr für einen Notruf. Die Zeitung ABC berichtete, dass die Startfreigabe der letzte Funkkontakt zwischen dem Kontrollturm und dem Cockpit war.

Außerdem wurde bekannt, dass die verunglückte Spanair-Maschine bereits im vergangenen Monat einen Start wegen eines Fahrwerksproblems abgebrochen hatte. Ein Sprecher der spanischen Fluggesellschaft bestätigte, dass der Pilot der MD-82 auf dem Rollfeld ein lautes Geräusch hörte. Er brach deshalb den Start in Palma auf Mallorca ab und kehrte zum Gate zurück. Ein Mechaniker habe dann das Problem behoben und der Flug mit 167 Passagieren an Bord sei 44 Minuten später ohne Probleme fortgesetzt worden.

Unterdessen geht auch nach einer Woche die Identifizierung der Opfer weiter. Der Zeitung El Mundo zufolge müssen noch 46 Leichen identifiziert werden. Dies erfolge mittels DNA-Analyse, teilte der spanische Innenminister, Alfredo Pérez Rubalcaba, mit.

Zwei der insgesamt 18 Überlebenden sind unterdessen aus dem Krankenhaus entlassen worden. Der erste war ein sechsjähriger Junge, der bei dem Unglück seine 16 Jahre alte Schwester verlor. Ihm folgte am Dienstag die Sparkassenleiterin Beatriz Reyes.

Die 41-Jährige sagte auf einer Pressekonferenz: "Ich fühle mich wie neugeboren." An den Absturz selbst habe sie nur eine schwache Erinnerung. "Ich klammerte mich an meinen Sitz, mehr weiß ich nicht", sagte sie. Nach dem Absturzhabe sie Schreie und Hilferufe gehört. "Aber was ich sah, daran kann ich mich nicht erinnern."

Reyes erschien auf der Pressekonferenz in einem Rollstuhl, konnte diesen aber, wenngleich leicht hinkend, aus eigener Kraft verlassen. Unmittelbar nach dem Absturz hatte sie zwei Kinder befreit, die in den Trümmern der Maschine in ihren Sitzen eingeklemmt waren. "Das hätte jeder andere an meiner Stelle auch getan", sagte sie. Von Flugangst will sie nach der Katastrophe nichts wissen: "Ich nehme morgen eine Maschine und fliege heim nach Gran Canaria."

Die übrigen Überlebenden sind weiterhin in Krankenhäusern untergebracht. Zwei davon befinden sich nach Informationen von El Mundo nach wie vor in einem "sehr ernsten Zustand". Erst am Sonntag erlag eine Frau ihren schweren Verletzungen.

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Schock und Schmerz