Unglück in Mina:Wie kam es zu dem Unglück?

Wieso es am Donnerstag trotzdem zu der Katastrophe kommen konnte? "Wenn die Pilger die Anweisungen befolgt hätten, dann hätte man diese Art Unglück vermeiden können", sagte der Gesundheitsminister des Landes, Chaled al-Faleh, im staatlichen Fernsehen. Zahlreiche Pilger würden sich "in Bewegung setzen, ohne die Uhrzeiten zu respektieren", die ihnen von den Verantwortlichen zur Organisation des Pilgerereignisses vorgegeben werden. Das sei der "Hauptgrund" für das Unglück.

Chronologie

20. November 1979: Einige Hundert saudi-arabische Oppositionelle verbarrikadieren sich in der Großen Moschee und nehmen Dutzende Pilger als Geiseln. Gewaltsame Befreiung zwei Wochen später. 153 Tote.

31. Juli 1987: Saudische Ordnungskräfte gehen gegen eine unerlaubte Demonstration iranischer Pilger vor. 402 Tote.

2. Juli 1990: In einem Fußgängertunnel, der von Mina nach Mekka führt, fällt eine Belüftungsanlage aus, es kommt zu Panik. 1426 Tote.

24. Mai 1994: Massenpanik während der Teufelssteinigung in Mina. 270 Tote

. 15. April 1997: Ein defekter Gaskocher verursacht einen Brand in der Zeltstadt der Pilger in Mina. 343 Tote.

9. April 1998: Massenpanik während der Teufelssteinigung in Mina. 118 Tote.

1. Februar 2004: Massenpanik während der Teufelssteinigung in Mina. 251 Tote.

12. Januar 2006: Massenpanik während der Teufelssteinigung in Mina. 364 Tote.

11. September 2015: Wenige Tage vor Beginn der Hadsch stürzt ein Baukran auf einen Innenhof der Großen Moschee. 107 Tote.

24. September 2015: Massenpanik am Rande der symbolischen Teufelssteinigung in Mina. Mehr als 700 Tote. AFP, SZ

Gefährlichster Tag des Hadsch

Doch nicht nur der Ort war den Behörden als besonders sensibel bekannt, auch der Zeitpunkt im Kalender. So wie es den Fastenmonat Ramadan gibt, so gibt es auch den Pilgermonat Dhul Hidscha - an diesem Donnerstag wurde dessen Höhepunkt gefeiert, mit dem muslimischen Opferfest Eid al-Adha, bei dem Tiere geschlachtet werden und das Fleisch an die Armen verteilt wird. Der Tag gilt als der gefährlichste während der Pilgerfahrt.

Das größte Unglück ereignete sich im Jahr 1990, damals starben 1426 Menschen

Nach Mekka kommen jedes Jahr zwischen zwei und drei Millionen muslimischer Pilger aus aller Welt, die gesamte Stadt ist auf diesen Tourismus ausgerichtet, der sich über alle Jahreszeiten verteilt, aber im Pilgermonat seinen Höhepunkt erreicht. In Mekkas uralten, schmutzigen Gassen stehen dafür Herbergen ebenso wie Luxushotels bereit, im Pilgermonat kommen noch Massen von Schlafzelten hinzu. Wie mit dem frommen Tourismus ein fantastisches Geschäft gemacht wird, das beschreibt die aus Mekka stammende Schriftstellerin Raja Alem in ihrem Roman "Das Halsband der Tauben" mit Ironie: "Die Bewohner von Mekka sind geborene Händler, die auch den Schatten und den Wind verkaufen. Die drehen dir noch die Plazenta deiner eigenen Mutter an."

Mekkaner eilen zur Hilfe

Am Tag der jüngsten Katastrophe aber zeigten die Mekkaner auch ihre große Fürsorge für die Gäste, eilten zu Hilfe, um Tote zu bergen, Verletzte zu versorgen und die Gäste aus aller Welt davor zu beschützen, dass im entstandenen Chaos noch weitere Unglücke geschehen. Mehr als 220 Krankenwagen und mehr als 4000 Rettungskräfte waren im Einsatz. Der Fernsehsender Al-Arabija zeigte, wie sich die weißen Wagen mit dem roten Halbmond in einem Konvoi den Weg durch das Lager in Mina zur Unglücksstelle bahnten. Zugangsstraßen wurden abgeriegelt, es werde alles unternommen, um die Pilger auf alternative Strecken umzuleiten, teilte der Zivilschutz mit.

Mekka ist ein leidgeprüfter Ort, es kam hier schon häufiger zu schlimmen Unglücken. Das größte ereignete sich im Jahr 1990: Als in einem völlig überfüllten Tunnel, der zu den heiligen Stätten führt, eine Panik ausbrach, starben 1426 Pilger, die größtenteils aus Asien kamen. Und das letzte Unglück ist noch nicht lange her: Erst vor wenigen Tagen kam es direkt in der Nähe des größten Heiligtums des Islam zu einem Unfall. Ein Baukran stürzte am 11. September auf einen Innenhof der Großen Moschee, 107 Menschen starben und etwa 400 weitere wurden verletzt. Dort steht die Kaaba, ein schwarzer Quader, den Pilger siebenmal umrunden sollen. Jedes muslimische Gebet weltweit wird in dessen Richtung gebetet.

Das Gebäude mit dem Schwarzen Stein ist auch der Zielpunkt der Wallfahrtsreise, die jeder gläubige Muslim einmal im Leben unternehmen soll. Der Hadsch ist die Chance, Sünden zu tilgen und neu zu beginnen.

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