Unglück im Himalaya Extrembergsteiger Ueli Steck stirbt bei Rekordversuch

  • Extrembergsteiger Ueli Steck ist am Sonntagmorgen im Himalaya tödlich verunglückt.
  • Der 40-jährige Schweizer war gerade in eine Expedition gestartet, bei der er über eine ungewöhnliche Route erst den Mount Everest und dann den benachbarten Lhotse erklimmen wollte.
  • Steck war Halter mehrerer Weltrekorde und zweifacher Gewinner des Piolet d'Or.

Der Extrembergsteiger Ueli Steck ist tot. Das bestätigte sein Sprecher am Sonntagmittag. Als erstes hatte die nepalesische Tageszeitung The Himalayan Times berichtet, dass Steck am Sonntagmorgen in der Nähe des Camps II am Mount Nuptse, einem Nebenberg des Mount Everest, starb. Rettungskräfte fanden den mehrfachen Rekordhalter aus der Schweiz, nachdem er im Himalaya tödlich verunglückte. Derzeit wird sein Leichnam in Nepals Hauptstadt Kathmandu überführt.

Steck verfolgte ein neues Rekordprojekt, bei dem er über die seit ihrer Erschließung 1963 nie mehr benutzte Hornbein-Route den Gipfel des Mount Everest ohne Sauerstoffgerät erklimmen wollte. Danach sollte es nach Osten auf den Lhotse, den an der Grenze zwischen Nepal und China gelegenen und mit 8516 Metern vierthöchsten Berg der Erde, gehen. Eine Route, die nach Stecks Angaben bislang kein Bergsteiger jemals erfolgreich absolvieren konnte.

Ueli Steck stellte während seiner Karriere zahlreiche Weltrekorde auf. Der Berner, der mit 18 Jahren mit dem Bergsteigen begann, machte sich anfangs vor allem mit Besteigungen der Schweizer Berge einen Namen. Mehrfach durchstieg er die Eiger-Nordwand in Rekordzeit, 2015 brauchte er dafür nur 2:22 Stunden. Den Gipfel des Matterhorns erreichte er 2009 nach nur 1:56 Stunde. 2015 bezwang Steck alle 82 Viertausender der Alpen in nur 62 Tagen.

Außerdem war Steck dafür bekannt, selbst die höchsten Berge der Welt ohne Sauerstoffgerät zu besteigen. 2012 gelang ihm dies beim Mount Everest. Für seine Leistung, im darauffolgenden Jahr in nur 28 Stunden die Südwand des 8091 Meter hohen Himalaya-Berges Annapurna auf- und wieder abzusteigen, wurde er zum zweiten Mal mit dem Piolet d'Or ausgezeichnet. Der Preis, den er 2008 nach einigen Speed-Besteigungen schon einmal gewann, gilt als bedeutendste Auszeichnung im extremen Bersport.

Noch im April gab Steck dem Schweizer Tages-Anzeiger ein Interview. Darin beschrieb er sein Everest-Lhotse-Projekt als nicht besonders gefährlich. "Das Risiko ist eher gering. Für mich ist es primär ein physisches Projekt", sagte Steck. Das Unglück, dessen genaue Umstände noch nicht geklärt sind, geschah zu Beginn der Expedition. Als er abstürzte, sei Steck alleine auf einer Vorbereitungstour gewesen, um sich zu akklimatisieren, sagt ein Sprecher der Firma "Seven Summit Treks", die das Projekt mitorganisierte, der Süddeutschen Zeitung.

Die Gefahren seines Sports waren dem Schweizer jedoch durchaus bewusst: "Scheitern heißt für mich: wenn ich sterbe und nicht heimkomme." Am 30. April ist Steck gescheitert. Er wurde 40 Jahre alt und hinterlässt eine Ehefrau.

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