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Unglück bei Überlingen:Ursachenforschung auf 123 Seiten

Zwei Jahre nach der Tragödie mit 71 Toten ist die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung zu einem Ergebnis gekommen: Menschliche Fehler, technische Defekte und tragische Zufälle sind schuld am größten Flugzeugunglück der jüngeren deutschen Geschichte.

Braunschweig/Stuttgart/Zürich - Technische Mängel sowie menschliche Fehler bei der Schweizer Flugsicherung skyguide und in der russischen Unglücksmaschine sind die Ursachen des Flugzeugzusammenstoßes von Überlingen. Das geht zwei Jahre nach der Tragödie mit 71 Todesopfern aus dem in Braunschweig veröffentlichten Abschlussbericht der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) hervor.

An der Gedenkstätte erinnert eine Tafel an die 71 Opfer, die beim Flugzeugabsturz vom 1. Juli 2002 ums Leben gekommen sind.

(Foto: Foto: AP)

Die Flugsicherung skyguide zeigte sich bestürzt über das Versagen ihres Sicherheitssystems in der Unfallnacht und bat die Familien der Opfer um Verzeihung.

Dem 123 Seiten langen Bericht zufolge hatte skyguide seit Jahren geduldet, dass nur ein Lotse in der verkehrsarmen Nachtzeit im Kontrollraum arbeitet. Es müssten aber mindestens zwei Lotsen im Arbeitsraum anwesend sein, forderten die BFU-Experten. Außerdem war das skyguide-Warnsystem in der Unglücksnacht ohne Wissen des Lotsen wegen technischer Arbeiten nur zum Teil funktionsfähig.

Am 1. Juli 2002 war eine Tupolew aus der russischen Teilrepublik Baschkirien mit einer Fracht-Boeing des Kurierdienstes DHL in elf Kilometern Höhe zusammengeprallt.

Die Hinterbliebenen forderten eine angemessene Entschädigung. Die Angehörige einiger Opfern wollen Entschädigungsklagen in den USA einreichen, teilte die Anwaltskanzlei von Michael Witti in Berlin mit.