Süddeutsche Zeitung

Unglück auf dem Rhein:Leckgeschlagenes Ausflugsschiff erreicht Hafen in letzter Minute

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"Die Situation war nicht undramatisch": Ein Schiff mit mehr als 150 Menschen an Bord hat in der Nacht zum Dienstag auf dem Rhein eine Befestigungsmauer gerammt. Nur mit Mühe erreichte die havarierte "MS Bellriva" noch den Hafen in Karlsruhe. Die Polizei hat bereits eine Vermutung zur Unglücksursache.

Bei Dunkelheit und starkem Nebel kracht die MS Bellriva in eine in den Fluß ragende Befestigungsmauer: Ein Ausflugsschiff mit mehr als 150 Menschen an Bord ist in der Nacht zum Dienstag auf dem Rhein leckgeschlagen. Offenbar in letzter Minute vor dem Sinken erreichte das Schiff gegen 5 Uhr den rettenden Hafen von Karlsruhe, 20 Kilometer von der Unfallstelle entfernt. Verletzt wurde bei dem Unglück niemand. "Aber die Situation war nicht undramatisch", sagte ein Polizeisprecher.

Das Schiff unter niederländischer Flagge befand sich auf dem Rückweg von Basel nach Köln und sollte am Dienstag noch Speyer anlaufen. Neben dem Schiffsführer war nach Angaben der Polizei auch ein Lotse an Bord.

Kurz vor 4 Uhr rumste es bei schwieriger Sicht auf der Höhe von Plittersdorf. Die Steine der Buhne rammten sich in den vorderen Rumpfteil der Bellriva und hinterließen drei Löcher mit einem Durchmesser von bis zu 15 Zentimetern. Das eindringende Wasser wurde sofort notdürftig abgepumpt und es gelang, das havarierte Schiff in den Rheinhafen Karlsruhe zu steuern. "Das war für den Schiffsführer eine schwierige Aufgabe, denn die Bordpumpe war nicht stark genug", sagte der Polizeisprecher.

Fahrfehler als Unglücksursache?

Die Polizei vermutet einen Fehler der Brücke als Unglücksursache. Der Leiter der Wasserschutzpolizei Karlsruhe, Robert Hellmann, sagte, die Fahrrinne sei an der Unglücksstelle nur 90 Meter breit. Das Schiff sei bei nebligem Wetter definitiv zu weit nach rechts geraten, bestätigte auch ein Polizeisprecher. Die Strecke zwischen Iffezheim und Mannheim gilt als schwieriges Gewässer, denn quer in den Fluss gebaute Steinwälle, sogenannte Buhnen, verengen hier den Rhein, um seine Fließgeschwindigkeit zu erhöhen.

Die 115 Passagiere und 43 Besatzungsmitglieder wurden in Karlsruhe von Polizei und Rettungsdiensten betreut. Gepäck, aber auch Medikamente der älteren Reisenden, die großteils aus Deutschland stammen, waren an Bord geblieben und mussten von den Helfern beschafft werden. "Die Stimmung war trotz alledem sehr gelassen", sagte der Polizeisprecher. "Die alten Herrschaften haben sicherlich schon Vieles erlebt." Am Mittag sollten die Gestrandeten in Bussen die Rückreise nach Köln antreten.

Unterdessen versuchen nach Polizeiangaben zwei Taucher eines Spezialunternehmens aus der Pfalz die Lecks provisorisch zu verschließen. "Die Chancen stehen gut, dass der Havarist noch am Dienstag die nächste Werft aus eigener Kraft ansteuern kann", sagte der Polizeisprecher. Außerdem werde ständig Wasser abgepumpt, hieß es. Spezialschiffe sollten auch ein Wasser-Öl-Gemisch ableiten, das sich im Bauch des Schiffes angesammelt hatte. Treibstoff oder andere Schadstoffe seien nicht ausgetreten.

Aussagen zur Schadenshöhe konnten noch nicht gemacht werden.

Ursprünglich sollte das verunglückte Schiff schon am Mittwoch wieder zu einer neuen Kreuzfahrt starten. Die Reederei bemühe sich, noch ein Ersatzschiff zu finden. Sollte das nicht gelingen, würden Passagiere, die die Reise gebucht haben, entschädigt, sagte Ben Uijthof, Prokurist des Veranstalters 1AVista Reisen. Für eine siebentägige Rheinkreuzfahrt dieser Art müssten die Gäste im Durchschnitt 900 Euro bezahlen.

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