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Ungewöhnliches Stellengesuch "Professionelle Brautjungfer":Hochzeit in Endlosschleife

Im Mittelalter waren sie spirituelle Schutzschilder, heute sind Brautjungfern auf Hochzeiten die wichtigsten Assistentinnen der Braut. Die Position nehmen in den meisten Fällen Freundinnen, Cousinen oder Schwestern ein - das will eine New Yorkerin nun ändern und bietet sich wildfremden Bräuten an.

Seit vielen, vielen Jahrhunderten spielen Brautjungfern eine zentrale Rolle auf Hochzeiten. Im Mittelalter zogen sich diese Frauen schöne und besonders aufwendige Kleider an, um der Braut zu ähneln - und somit die bösen Geister und Dämonen zu verwirren. Jene Dämonen - so der überlieferte Glaube - hatten nun große Probleme, die echte Braut unter den Frauen auszumachen und mit einem Fluch zu belegen. Brautjungfern waren sozusagen das Schutzschild der Braut vor heidnischen Bösewichtern.

Heute kommt den Brautjungfern eine weit weniger spirituelle, aber nicht unwichtigere Aufgabe zu: Sie sind die wichtigsten Helfer der Braut und sorgen dafür, dass die Hochzeit möglichst entspannt und reibungslos abläuft. Meist sind sie in die Planung und Organisation eingebunden und kümmern sich am großen Tag um alles, was so anfällt: Von der Betreuung nervöser Redner über die notdürftige Rettung verunglückter Torten bis hin zur Frisur der Blumenmädchen. Die Brautjungfern tragen die Schleppe und halten während der Trauzeremonie den Brautstrauß. Soweit die Theorie: In der Realität hört man auch von betrunkenen Brautjungfern, die hemmunglos mit dem Bräutigam knutschten oder der Braut in Pippa-Middleton-Manier die Show stahlen.

Die Filmindustrie hat längst das Potenzial der Brautjungfern erkannt und in unzähligen romantisch-heiteren Kinoproduktionen aufbereitet. Im bekanntesten Schmachtfetzen ("27 Dresses") der vergangenen Jahre zu dieser Thematik spielt Hollywood-Darling Katherine Heigl die Dauer-Brautjungfer Jane, die bereits 27 Hochzeiten ihrer Freundinnen als Brautjungfer und Organisatorin absolviert hat - selbst jedoch Single und unglücklich in ihren Chef verliebt ist.

Bei einer namentlich unbekannten 26-jährigen New Yorkerin waren es statt 27 bisher zwar "nur" vier Hochzeiten, doch sie hat nach eigenen Angaben genug Erfahrung gesammelt mit ausufernden Junggesellinnenabschieden und nervösen Bräuten, um sich auf der amerikanischen Plattform Craiglist als "Professional Bridesmaid" anzubieten.

In folgenden Fällen könne sie einspringen, schreibt die junge Frau dort: Wenn die Braut als Alternative nur eine Cousine dritten Grades habe, die eine große Leidenschaft für Rotwein hegt. Oder wenn der Bräutigam einen Trauzeugen ohne weibliche Begleitung hat, der sonst alleine den Weg zum Altar entlangschreiten müsste. Außerdem werde sie dafür sorgen, dass die anderen Brautjungfern in den richtigen Kleidern, "ohne limettengrünen Nagellack" und pünktlich zur Hochzeit auftauchen.

Die professionelle Brautjungfern ist auf mehreren wichtigen Feldern geschult und erprobt: Auf Mails der anderen Brautjungfern zu Ablauf und Kleiderauswahl "zeitnah" antworten, die Braut in den Waschraum begleiten und die "18 Lagen des Brautkleides" hochhalten, verschiedene Tanzstile einüben. Außerdem: "Den Brautstrauß fangen und gutaussehend überrascht und gerührt tun".

Von einer Bezahlung ist - zumindest in der Anzeige - nicht die Rede. Auch die Motivation für diesen nervenaufreibenden und zeitintensiven "Job" wird nicht ganz klar. Ist es romantische Verklärtheit, zu viel Freizeit, ausgeprägte Feierleidenschaft, ein gesteigertes Interesse am Leben Wildfremder oder eine Schwäche für kostenlose Blumensträuße?

© SZ.de/jst /olkl
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