Umweltschutz:Böllern Stress für Tiere: Verzicht und Verbot gefordert

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Für Tiere ist der Jahreswechsel in diesem Jahr wieder eine Stresssituation. (Foto: Andreas Arnold/dpa/Symbolbild)

Für viele Menschen ist Feuerwerk ein Muss an Silvester - doch zahlreiche Tiere leiden unter der Knallerei, verkriechen sich oder rennen in Panik davon. Auch zu diesem Silvester rufen Tierschützer in Hessen deshalb dazu auf, privates Feuerwerk sein zu lassen oder ganz zu unterbinden.

Direkt aus dem dpa-Newskanal: Dieser Text wurde automatisch von der Deutschen Presse-Agentur (dpa) übernommen und von der SZ-Redaktion nicht bearbeitet.

Altenstadt/Sulzbach (dpa/lhe) - Nach den Einschränkungen in der Corona-Pandemie dürfte der Jahreswechsel in diesem Jahr wieder vielerorts in Hessen im gewohnten Umfang mit Böllern und Feuerwerk eingeläutet werden. Umwelt- und Tierschützer sehen das kritisch: Das Böllern verschmutze nicht nur die Luft, sorge alljährlich für zahlreiche Verletzte und bringe Unmengen von Müll hervor - auch viele Wild- und Haustiere geraten zu Silvester heftig unter Stress. Wie in früheren Jahren werden Appelle zu Verboten oder einem Verzicht auf privates Feuerwerk laut.

An keinem Tag im Jahr sei die Feinstaubbelastung der Luft höher als zu Silvester, erklärt etwa der Umweltschutzverband BUND Hessen. Deshalb spreche man sich erneut für ein gesetzliches, flächendeckendes Feuerwerksverbot aus - auch wenn man nicht davon ausgehe, dass es dazu kommt. Nur so könnten jedoch die negativen Auswirkungen der Böllerei vermieden werden: Dazu gehörten Personenschäden mit zum Teil Schwerstverletzten, riesige Müllberge, massive Schadstoffbelastung der Luft, Belastungen für Menschen mit Lungenerkrankungen, Lärmbelästigung, verängstigte Menschen und Tiere, Belastung von Rettungskräften und Krankenhäusern, so der BUND.

Auch Sigrid Faust-Schmidt vom Landestierschutzverband Hessen erklärt: „Aus Tierschutzsicht sind Silvester-Feuerwerke tatsächlich abzulehnen. Für alle Tiere, vom Haustier, Wildtier, Zootier bis zum sogenannten Nutztier bedeutet das Böllern zu Silvester Stress.“ Schlimmer werde es noch dadurch, dass das Zünden der Feuerwerkskörper nicht mehr auf die Stunde um den Jahreswechsel begrenzt sei - vielmehr versetze teils tagelanges Knallen vor und nach Silvester die Tiere mit ihrem meist empfindlichen Gehör in Dauerpanik.

Katzen und Hunde könnten von ihren Halterinnen und Haltern zumindest besser vor der Silvesterknallerei geschützt werden. So sollten auch Freigänger-Katzen um Silvester im Haus gehalten werden. „Wenn sie in Panik geraten, flüchten und verstecken sie sich“, so Faust-Schmidt. Auch die meisten Hunde - abgesehen von sehr „tiefenentspannten“ Exemplaren - sollten an Silvester auf keinen Fall alleingelassen werden. „Beim Gassigehen sollten Hunde vor und nach den Silvestertagen gut gesichert an der Leine ausgeführt werden. So mancher sonst gut hörende Hund ist schon an Silvester im Freilauf wegen eines plötzlichen Knalls in Panik geraten und weggelaufen - um Silvester macht Leinenpflicht deshalb unbedingt Sinn.“

Haustierbesitzerinnen und -besitzern, die mit ihren Tieren die Silvesternacht verbringen, empfahl Faust-Schmidt die Rollläden von Fenstern und die Türen geschlossen zu halten. Das Radio, den Fernseher oder leise Musik laufen zu lassen, entspanne. Gerade Hunde orientierten sich an der Stimmung ihrer Menschen. „Sind die Halter in der Nähe und unbesorgt, ist es auch für die Tiere leichter, weniger gestresst mit der unbekannten, gegebenenfalls fluchtauslösenden Geräuschkulisse umzugehen.“

Der Tierschutzorganisation Tasso, die ein Haustierregister betreibt, über das Fundtiere ihren Halterinnen und Haltern zugeordnet werden können, registriert gerade zu Silvester jedes Jahr Hunderte entlaufene Tiere. Alleine am letzten Tag des Jahres 2021 und am Neujahrstag 2022 wurden bei der Organisation deutschlandweit 454 Hunde und 275 Katzen als vermisst gemeldet. Bei Hunden waren das doppelt so viele wie an einem durchschnittlichen Silvester und Neujahrstag sowie mehr als fünf Mal so viele wie an normalen Tagen. Zum bevorstehenden Jahreswechsel stellt sich die Organisation auf einen weiteren Anstieg ein: „Der Zuwachs an Haustieren kann dazu führen, dass auch mehr Tiere entlaufen beziehungsweise vermisst gemeldet werden“, erläuterte eine Sprecherin.

© dpa-infocom, dpa:221228-99-32503/2

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