Umstrittener Vorfall in Ferguson Schütze äußert sich zum Tod von Michael Brown

Die Stadt Ferguson veröffentlichte ein Bild von Darren Wilson, dem Polizisten, der Michael Brown erschoss. Die Aufnahme stammt vom Februar 2014.

(Foto: AP)
  • Die New York Times zitiert aus einer Zeugenaussage des Polizisten Darren Wilson, der im August den schwarzen Teenager Michael Brown erschossen hat.
  • Wilson habe während einer Auseinandersetzung im Einsatzfahrzeug um sein Leben gefürchtet und mit Brown um seine Waffe gerungen.
  • Unklar bleibt, was in den Minuten danach geschah.

Schütze berichtet von Todesangst und Gerangel um Waffe

Warum wurde Michael Brown erschossen? Zweieinhalb Monate nach dem Tod des 18-jährigen Afroamerikaners in Ferguson ist erstmals bekanntgeworden, wie der Beamte die Geschehnisse schildert, der die tödlichen Schüsse abgab.

Die New York Times berichtet unter Berufung auf beteiligte Ermittler, was Darren Wilson über jenen 9. August ausgesagt hat: Er habe um sein Leben gefürchtet, als er in seinem Fahrzeug mit Michael Brown um seine Waffe rang. Der Jugendliche habe ihn daran gehindert, den Wagen zu verlassen. Brown habe ihn immer wieder gekratzt und geschlagen und nach der Waffe gegriffen. Diese sei zweimal abgefeuert worden.

Wilson hat bereits Mitte September vier Stunden lang vor der Grand Jury in St. Louis County ausgesagt, wie damals die St. Louis Post-Dispatch berichtet hatte. Das Gremium entscheidet darüber, ob Anklage gegen den Polizisten erhoben werden soll. Zu der Aussage war der Beamte nicht von Gesetzes wegen verpflichtet, sein Auftritt kam daher für Beobachter überraschend.

Kriminaltechnische Testergebnisse stützen Aussage teilweise

Die New York Times berichtet außerdem unter Berufung auf Ermittlungen des FBI, dass Wilsons Waffe zweimal im Wageninneren abgefeuert worden sei, was Wilsons Aussage in diesem Punkt stützen würde. Am Inneren der Wagentür sei Michael Browns Blut gefunden worden, ebenso auf der Waffe und auf Wilsons Uniform. Die erste Kugel traf Michael Brown demnach am Arm, die zweite ging ins Leere. Insgesamt wurden auf den unbewaffneten Michael Brown sechs Schüsse abgegeben.

Widersprüche bleiben

Die Aussagen des Polizeibeamten, der die Öffentlichkeit seit Browns Tod gemieden hat, bringen ein wenig mehr Klarheit in einen der aktuell heikelsten Todesfälle der USA - aber nicht viel mehr. Denn umstritten ist vor allem, was geschah, nachdem Brown und Wilson das Fahrzeug verlassen hatten. Einigen Zeugenaussagen zufolge bewegte sich der Teenager auf den Polizeibeamten zu, was die Notwehrthese stützen könnte. Anderen Berichten zufolge hatte Brown jedoch die Hände erhoben, als er von den tödlichen Schüssen getroffen wurde. In deutlichem Widerspruch steht Wilsons Aussage zu den Schilderungen von Dorian Johnson, mit dem Brown an diesem Abend unterwegs war. Johnson sagt, der Polizist habe Brown in den Wagen gezerrt als dieser sich losreißen wollte und ihn mit der Waffe bedroht, als die Schüsse im Wageninneren fielen.

Demonstrationen gegen Rassismus und Polizeigewalt

Der Tod des afroamerikanischen Jugendlichen verschuldet durch einen weißen Polizisten löste heftige Proteste gegen Rassismus und Polizeigewalt in der Kleinstadt im Bundesstaat Missouri aus. Über Wochen hinweg kam es täglich zu Demonstrationen, die immer wieder in gewaltsamen Zusammenstößen mit den Sicherheitskräften endeten, es gab Dutzende Festnahmen, die Polizisten setzte Tränengas ein. Die Nationalgarde wurde nach Ferguson entsandt, eine Ausgangssperre verhängt. Im Zuge der Proteste wurde auch über die Militarisierung der Polizeikräfte in den USA diskutiert.

Linktipps

"Der farblose Präsident": Korrespondent Nicolas Richter analysierte eine Woche nach Browns Tod Präsident Obamas Verhalten gegenüber den Schwarzen in den USA.

"Eine getrennte Stadt": Die Stadt St. Louis gehört zu jenen in den Vereinigten Staaten, in denen noch immer starke Rassentrennung vorherrscht.

Wie die US-Polizei, auch in Ferguson, in den vergangenen Jahren aufrüstete, lesen Sie zum Beispiel beim Guardian.