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Umstrittener Limburger Bischof:Papst-Sekretär Gänswein verteidigt Tebartz-van Elst

Georg Gänswein verteidigt Tebartz-van Elst

Der Präfekt des Päpstlichen Hauses, Georg Gänswein, an der Seite eines seiner Chefs, Papst Franziskus.

(Foto: Getty Images)

Wenn die deutschen Bischöfe ihren umstrittenen Kollegen aus Limburg zum Rücktritt auffordern, seien das "private Meinungen", sagt Georg Gänswein. In einem Interview äußert sich der Präfekt des Päpstlichen Hauses auch zu Gerüchten um seine eigene Karriere.

Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst ist in Ungnade gefallen bei der Deutschen Bischofskonferenz. Eine von den deutschen Bischöfen eingesetzte Prüfkommission durchforstet in Limburg derzeit Rechnungen und Unterlagen. Sie soll klären, warum die Baukosten für die Bischofssitz auf den immensen Wert von 31 Millionen Euro gestiegen sind.

Erzbischof Georg Gänswein, der im Rom als Präfekt des Päpstlichen Hauses fungiert und daneben auch noch als Privatsekretär des zurückgetretenen Papstes Benedikt XVI. tätig ist, hat jetzt in einem Interview mit dem Magazin Cicero den Umgang mit Tebartz-van Elst kritisiert. Die Deutsche Bischofskonferenz habe kein formales Recht, den Rücktritt des umstrittenen Limburger Bischofs zu fordern, so Gänswein. Sämtliche Forderungen, die in diese Richtung gingen, seien rein "private Meinungen", sagte der Präfekt.

Doch Gänswein geht noch weiter: Nach seiner Ansicht ist die Diskussion um die Verschwendung von Kirchengeldern beim Bau des neuen Bischofssitzes gar nicht das vorrangige Thema. In Limburg "geht es, tiefer gesehen, um Glaubens- und Richtungsfragen. Das "laute Geheul um die Ausgaben" sei "nicht der wahre Grund für den Streit". Es gebe in Limburg "Strömungen, die andere Ziele haben als eine Klärung finanzieller Verantwortlichkeiten". Womöglich spielt Gänswein mit dieser Aussage darauf an, dass Tebartz-van Elst auch für seine autoritäre, konservative Amtsführung kritisiert worden war.

Gänswein, der aus dem Erzbistum Freiburg stammt, äußert sich in dem Interview auch zur Zusammenarbeit mit Papst Franziskus. Sie verlaufe harmonisch und vertrauensvoll. Dennoch sei es "klar, dass ich emotional sehr stark an Papst Benedikt gebunden war und gebunden bin und gebunden bleibe". Er habe ihm Treue bis in den Tod geschworen, und "dieses Versprechen möchte ich halten", sagte Gänswein.

"Geringe Aussichten" auf Bischofsamt in Deutschland

Gerüchten, denen zufolge der charismatische und beliebte Geistliche bald Bischof in Deutschland werde, dementierte er. In den neu zu besetzenden Bistümern Freiburg, Köln, Hamburg wähle das jeweilige Domkapitel aus einer von Rom vorgelegten Dreierliste. "Da sind meine Aussichten gering."

Die überschwängliche Begeisterung über den neuen Papst sieht Gänswein dagegen kritisch. Sie sei manchmal der Versuch, "ihn auch und gerade in Deutschland" vor den "eigenen Karren zu spannen". Es könne sein, dass manchen reformbegeisterten "Jublern schnell der Jubel in der Kehle stecken bleibt", so Benedikts Privatsekretär in dem Interview.

Trotz seiner Kritik an den Glaubensbrüdern in Deutschland wird sich Gänswein in diesem Jahr erstmals in einer Fernseh-Weihnachtsansprache an die Gläubigen wenden. Sie wird am Samstag auf dem Sender Sat1 gezeigt.