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Umstrittener Aufruf in Uganda:Esst mehr Krokodile!

Weil die tödlichen Krokodilangriffe in Uganda überhandnehmen, bläst ein Agrarpolitiker zur Jagd: Krokodilfleisch soll zum festen Bestandteil des ugandischen Speiseplans werden. Tierschützer sind empört.

Von Feinschmeckern wird Krokodilfleisch als fettarm und mild, dem Geschmack von Geflügel nicht unähnlich, beschrieben. Ob kurzgebraten oder überbacken - der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Gefährliche Räuber: Weil die Krokodile in Uganda regelmäßig Menschen töten, sollen die Reptilien nach Willen eines Politikers in den Kochtöpfen landen.

(Foto: Foto: AP)

Nach Willen des ugandischen Landwirtschaftsministers Aggrey Bagiire sollen seine Landsleute bald allerlei Gelegenheit bekommen, das Fleisch zu vielen schmackhaften Menüs zu verarbeiten.

Weil bei Krokodilangriffen am Viktoriasee immer wieder Menschen durch die blitzschnellen Raubtiere sterben, rät Bagiire nun zum Rache-Mahl. Die Bauern und Fischer in den Dörfern am größten See Afrikas sollten die hungrigen Reptilien jagen, töten und verspeisen, so Bagiire.

"Diese Raubtiere töten Menschen. Nun sollte den Leuten erlaubt sein, die Tiere zu jagen", sagte er. Allein in den vergangenen zwei Wochen wurden in einem Regierungsbezirk sechs Menschen von Krokodilen getötet. Fischer und Bauern klagen seit Jahren über die tödliche Gefahr am Seeufer. "In Gebieten, in denen es viele Krokodile gibt, sollten sie aufgegessen werden", verlangte Bagiire, unbeeindruckt von der Tatsache, dass Krokodilfleisch nicht Bestandteil des traditionellen ugandischen Speiseplans ist. Nach Angaben von Naturkundlern ist die Zahl der Tiere im zentralafrikanischen Staat in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen.

Gefährliche Schnapsidee

Naturschützer reagierten empört auf den Jagdaufruf des Politikers. Denn auch Wildtiere, die nicht vom Aussterben bedroht sind, dürfen in Uganda nicht ohne weiteres gejagt werden.

Seine Behörde werde jeden festnehmen, der ein Krokodil töte, versicherte Sam Mwandha von der ugandischen Naturschutzbehörde UWA in der ugandischen Hauptstadt Kampala. "Die Menschen dringen in das Territorium der Krokodile ein, deshalb greifen die Tiere sie an", begründete er die tödlichen Krokodilsangriffe.

Mwandha hält den Aufruf des Politikers für gefährlichen Blödsinn. "Wenn man die Leute ermuntert, rauszugehen und Krokodile zu jagen, dann geraten sie sogar in noch größere Lebensgefahr." Weil die Dorfbewohner keine Jagdkenntnisse hätten, würden am Ende die Krokodile eher die Menschen töten als andersherum.

© sueddeutsche.de/dpa/kred/dmo
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