bedeckt München 13°

USA:Was fliegt denn da?

In den USA schnellt die Zahl der Ufo-Sichtungen in die Höhe. Könnte mit der Pandemie zu tun haben. Oder mit der ungewohnten Umgebung für Städter.

Von Thorsten Denkler, New York

Die Frage, ob es außerirdisches Leben gibt, lässt sich zwar nicht mit Sicherheit beantworten. Doch die Astronomen unserer Zeit sind sich weitgehend einig, dass es angesichts der schieren Menge erdähnlicher Planeten da draußen schon seltsam wäre, wenn Mutter Erde der einzige Ort im Universum wäre, auf dem intelligentes Leben möglich ist.

Weitaus umstrittener ist die Frage, ob außerirdische Lebensformen 14,8 Milliarden Jahre nach dem Urknall bereits intelligent genug sind, der Erde hin und wieder einen Besuch abzustatten. In den USA hält das eine erkleckliche Zahl von Menschen für absolut gegeben. Was sie veranlasst, ihre Beobachtungen von unbekannten Flugobjekten, kurz Ufos, an das National U.F.O. Reporting Center (Nuforc) im Bundesstaat Washington an der Westküste zu melden.

Entgegen allen Abstandsregeln scheinen 2020 besonders viele Ufos am Himmel über den USA unterwegs gewesen zu sein. Das Nuforc berichtet, im vergangenen Jahr habe die Zahl der gemeldeten Sichtungen gegenüber 2019 um 1000 auf 7200 zugenommen. Besonders häufig sind Ufos demnach im Bundesstaat New York aufgetaucht. Dort habe sich die Zahl der Sichtungen auf 300 verdoppelt. Allein in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres sind 726 Ufos gemeldet worden.

Am 31. März etwa wurde in Camillus, viereinhalb Autostunden nördlich von New York City, eine "Gruppe von drei sehr hellen Lichtern" in Formation fliegend beobachtet. In Troutman, North Carolina, beobachtete jemand am 28. März ein zigarrenförmiges Ufo, das gut 100 Meter über ihn hinweggeschossen und dann in den Wolken verschwunden sei. Und am 25. März will jemand in Sequim, Washington State, eine ganze Ufo-Flotte gesichtet haben.

Es sind allerdings die Ufologen, die die naheliegende Theorie zerstreuen, dass Außerirdische im Pandemiejahr ein besonderes Interesse an der Erde gezeigt hätten. Peter Davenport, Direktor des Ufo-Meldecenters, erklärte in der New York Times, dass nur ein Bruchteil der Sichtungen nach einer Überprüfung unerklärlich bleibe. Und dass die Zunahme an Sichtungen viel mehr mit den vielen Städtern zu tun habe, die die Pandemie aufs Land getrieben habe.

Ein Unterschied ist nämlich, dass die Luft auf dem Land klarer ist. Es gibt weniger Lichtverschmutzung. Und plötzlich ist das Auge mit Bewegungen und Lichtern am Himmel konfrontiert, die es in der Stadt nie zu sehen bekommen würde. Da kann eine Sternschnuppe oder ein Satellit schon mal die Alarmglocken schrillen lassen.

Dazu kommt, dass die Regierung unter Präsident Donald Trump den Ufo-Beobachtern erstmals einen Glaubwürdigkeitsstempel verpasst hat: Das Pentagon richtete vergangenen Sommer eine "Taskforce für nicht identifizierbare Luftphänomene" ein. Im April hatte es drei Videos der Navy von solchen Phänomenen veröffentlicht. Unter Trump wurden künftige Regierungen zudem verpflichtet, regelmäßig einen öffentlich zugänglichen Ufo-Bericht herauszugeben. Der erste wird im Juni fällig. Das hat einen kleinen "Guck in die Luft"-Boom ausgelöst.

Für Ufo-Jäger wie Peter Davenport ist das wie ein Ritterschlag. Vorher habe die Regierung Menschen wie ihn behandelt, als seien sie verrückt. "Aber das sind wir nicht."

© SZ
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema