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Überschwemmungen in Schleswig-Holstein:Lauenburgs Angst vor der Wettervorhersage

Trügt die Stille in Lauenburg? Bisher halten die durchweichten Dämme den Wassermassen stand, unterbrochen wird die Ruhe lediglich vom Kurzbesuch der Kanzlerin. Gefährlich werden könnte der Stadt der angekündigte Niederschlag.

Das Schlimmste ist die Stille. In den engen Gassen, die runter zur Elbe führen. Hinter den Deichen, wenn die Pumpen für einen Moment innehalten. In der Lauenburger Altstadt, die seit Tagen menschenleer ist. Alle hoffen, dass die Stille nicht trügt. Dass die Deiche halten. Und dass nicht alles doch noch viel schlimmer kommt.

"Stabil" ist das wohl am häufigsten ausgesprochene Wort an diesem Mittwoch in Lauenburg. Die Lage scheint gerade unter Kontrolle zu sein. Mit 9,64 Metern wurde gegen Mittag der vorläufig höchste Pegel gemessen. Noch nie stand die Elbe in Lauenburg so hoch, noch nie war sie so breit. Noch nie war so viel Wasser unterwegs. Umgerechnet die halbe Wassermenge des Bodensees wälzt sich durch die vielen Zuflüsse durch die Region. Schon vor Tagen wurde der ganze Landkreis zum Krisengebiet erklärt.

Doch die Deiche halten. Kleine Sickerstellen werden gestopft, das Wasser weggepumpt. Es ist ein Konditionskampf zwischen Wasser und Mensch: Wer hält länger durch? Sogar die Sonne scheint jetzt, die Helfer von THW und Feuerwehr schützen sich mit Händen vor den grellen Strahlen. Es sieht aus, als wäre das Schlimmste schon überstanden.

Große Holzstücke können zu Torpedos werden

"Die Lage ist stabil", sagt auch Wolfgang Genczik, der hier erster Stadtrat ist. Ein stämmiger Mann in weißem Hemd, der mit jedem Wort, das er sagt, eine gewisse Ruhe ausstrahlt. Doch auch er hütet sich davor, auch nur ansatzweise Entwarnung zu geben. "Wir verfallen nicht in Panik", sagt er, "so lange kein Oberflächenwasser dazu kommt." Genczik meint Regen, der die durchweichten Deiche zusätzlich von oben durchnässen würde. Im Nu wäre die Lage wieder prekär.

Erst Passau und Magdeburg, nun also Lauenburg. Während die Menschen in Bayern oder Sachsen-Anhalt von den Massen überrascht wurden, konnten sich die Lauenburger vorbereiten. Überall am Ufer liegen Sandsäcke in Zehnerschichten. Auf der Elbe ist die DLRG pausenlos im Einsatz, fischt Holzstücke aus dem Fluss. Die Elbe schießt mit vier Metern pro Sekunde fast doppelt so schnell wie sonst an Lauenburg vorbei. Große Holzstücke könnten zu Torpedos werden, die Deiche mühelos durchbrechen.

Hochwasser in Deutschland

Die Fluten erreichen den Norden

Die Menschen im Ort versuchen ruhig weiter zu leben. Kinder hüpfen in aufgemalten Käsekästchen. Oben im Zentrum, bevor es steil zur Elbe hinunter geht, findet sogar der Wochenmarkt statt. Trotzdem ist die Anspannung spürbar. Am Himmel surrt ein Polizeihubschrauber, er fliegt die Deiche von West nach Ost ab. Dann ist der Hubschrauber weg, und da ist sie wieder: diese Stille.