Überlebender schildert Anschlag "Es war barbarisch"

Ein Einschussloch im Gebäude neben der Redaktion von Charlie Hebdo.

(Foto: AP)

Redakteur Laurent Léger war dabei, als die Terroristen die Redaktion von Charlie Hebdo angriffen. Er hat sich hinter einem Tisch versteckt und den Anschlag überlebt. Nun hat er dem Radiosender France Info ein Interview gegeben:

"Ich habe einen vermummten Mann gesehen, viel Blut. Die Hälfte der Redaktion lag am Boden. Ich frage mich immer noch, wie ich da herausgekommen bin. Ich habe mehrmals 'Allahu Akbar' gehört. Ich habe den Horror gesehen, all das mitten in Paris. Niemand dieser kleinen Gruppe von überlebenden Redakteuren hat bis jetzt verstanden, was da passiert ist. Es ist noch nicht real.

Für uns sind Charb, Tignous, Wolinski, sie sind alle noch da. Es war gegen Ende der Redaktionskonferenz, die jeden Mittwochvormittag stattfindet. Plötzlich haben wir lautes Klopfen gehört, die Tür ging auf und dann stand da dieser kleine vermummte Mann. Mit einer Kalaschnikow. Er rief 'Allahu Akbar'. Und dann hat er geschossen. Es roch nach Pulver. Ich habe mich hinter einen Tisch geworfen. Die Kameraden der Zeitung sind zu Boden gefallen. Am Anfang dachten wir noch an eine Art Scherz. Wir sind alles Scherzkekse bei Charlie, da kann man sich so etwas vorstellen. Aber dann habe ich begriffen, dass es real ist, dass es kein Witz ist. Er machte seine Runde. Es war barbarisch.

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Die Täter haben allerdings nicht nach den Namen gefragt, das ist nicht wahr. Es ist der Name Charb gefallen, von unserem Chef, das ist richtig. Den haben sie sicher gesucht. Aber er lag schon unter dem Tisch. Und es ist alles so schnell gegangen. Sie haben die ganze Zeit geschossen, es dauerte nur wenige Sekunden. Sie haben einfach auf den Tisch geschossen. Ich habe mich hinter einen kleinen Tisch weiter hinten geworfen. Ich bin dort geblieben, habe die anderen am Boden gesehen, den Lärm gehört. Dann Stille.

Der Raum ist sehr eng, er konnte also nicht um den Tisch herumgehen. Der Täter ist kurz rausgegangen, hat mit jemandem gesprochen. Erst da habe ich gemerkt, dass sie offensichtlich zu zweit sind. Danach einige Schritte, dann weitere Detonationen, die kamen von draußen. Wir wissen nicht, was passiert ist. Wir sind eine Zeitung. Eine Zeitung, die Spaß machen will. Die Sachen erklären will, die auch provoziert, natürlich, aber immer mit einem Lachen. Wir sind eine Gruppe von Freunden."

Übersetzung: Annette Zoch