Übergriffe bei den Jesuiten Die Jahre danach

1984/85 verbrachte S. zunächst sein Terziat in Mexiko, es ist die letzte Prüfungszeit, bevor ein Priester in den Orden eingegliedert wird. Anschließend war er in einer Pfarrei in Arica im Norden Chiles tätig. Auch aus Chile gibt es Berichte über Misshandlungen. In den Jahren 1987 und 1988 kam "Padre Wolfi" aus der fernen Pfarrei mehrmals zurück nach St. Blasien, berichtete in Vorträgen von Lateinamerika oder organisierte Besinnungstage. Bei diesen Besuchen muss er abermals Schüler misshandelt haben. Nach 1990 gab es laut S. keine Übergriffe mehr.

1991 lernte Wolfgang S. eine Chilenin kennen und beantragte die Laisierung aus dem Orden. In einem Fragebogen zur Rückversetzung in den Laienstand gab er die Bestrafungsrituale zu. Das Paar heiratet und hat heute eine zwölf Jahre alte Tochter. S. verließ den Orden, wurde aber weiter von der Kirche beschäftigt. Mitte der Neunzigerjahre übernahm er die Erwachsenenbildung für das katholische Kolpingwerk in Lateinamerika. Von der Hauptstadt Santiago de Chile aus schulte er Mitarbeiter des Sozialverbands von Mexiko bis Nicaragua. Von Missbrauchsvorwürfen, vor oder während dieser Tätigkeit, habe er nichts gehört, sagt Hubert Tintelott, Generalsekretär des Internationalen Kolpingwerkes.

Im vergangenen Dezember ist S. regulär in Ruhestand gegangen. Seine Rückkehr nach Deutschland hat er in einem Schreiben an die Opfer für März angekündigt und ein persönliches Treffen angeboten. Eine Strafe hat er kaum zu erwarten, die bekannten Taten sind verjährt. Kurz vor seiner Abreise erlebte S. das Erdbeben in Chile. Teile der Wohnungseinrichtung sollen zu Bruch gegangen sein, die Familie sei aber wohlauf, heißt es aus dem Kolpingwerk.

Es ist nicht das erste Drama, das Wolfgang S. unbeschadet übersteht.