bedeckt München 31°

Überführung der Germanwings-Opfer:Stille Trauer in Haltern am See

  • Die Särge mit den Opfern des Germanwings-Absturzes sind an die Angehörigen übergeben worden. In Haltern am See in Nordrhein-Westfalen, von wo 16 tote Schüler und zwei tote Lehrerinnen stammen, rollte ein Trauerzug von Leichenwagen durch die Stadt.
  • Zuvor hatte es wegen Übersetzungsfehlern Verzögerungen bei der Überführung der Toten gegeben. Einige Hinterbliebene waren deshalb verärgert.
  • Am Donnerstag treffen einige Angehörige den für das Unglück zuständigen Chefermittler in Paris.

Konvoi von Leichenwagen in Haltern

Die Grablichter und die weißen Rosen, mit denen der Bürgersteig vor dem Joseph-König-Gymnasium in Haltern am See gesäumt ist, künden bereits seit Stunden davon, dass dieser Tag besonders traurig werden wird. Am späten Nachmittag rollt eine Kolonne von Leichenwagen durch die Stadt - 14 weiße und zwei schwarze Fahrzeuge, ein langer Trauerzug, eine Art Prozession durch die Stadt, vorbei an den trauernden Einwohnern, die auf den Bürgersteigen in stiller Andacht Spalier stehen werden.

Die Angehörigen der Toten haben darum gebeten, dass sie in Ruhe trauern dürfen, ohne Dauerbeobachtung durch die Presse. Elf Wochen ist es her, dass die Stadt 18 ihrer Einwohner auf grausame Weise verloren hat. Die 16 Schüler und zwei Lehrerinnen waren nach einem Schüleraustausch auf dem Rückweg aus Spanien. Sie alle starben, als die Germanwings-Maschine in den französischen Alpen zerschellte - mit höchster Wahrscheinlichkeit, davon gehen die Ermittler aus, vom Copiloten absichtlich zum Absturz gebracht. Alle 150 Menschen an Bord waren sofort tot.

Auf dem Düsseldorfer Flughafen nahmen Angehörige die Särge von 44 der 72 aus Deutschland stammenden Toten in einer Zeremonie in Empfang. Eine Sondermaschine der Lufthansa hatte am Dienstagabend die Leichen zurückgebracht. Am kommenden Montag soll eine weitere Maschine die 51 spanischen Opfer aus Marseille überführen. Dort sitzt die für die Ermittlungen zuständige Staatsanwaltschaft. Sie hatte die Leichen bereits am 19. Mai freigegeben, nachdem die Identifizierung aller Opfer abgeschlossen war.

Unmut über Tippfehler

Doch bei der Rückführung der Toten gab es Probleme. Offenbar ist es bei der Übersetzung von Dokumenten in mehreren Fällen zu Tippfehlern gekommen. In den vergangenen Tagen hatte es unter den Angehörigen aus Deutschland deshalb Unmut gegeben. Mehrere Familien aus Haltern beklagten sich darüber, dass sie im Unklaren darüber gelassen wurden, wann sie ihre Angehörigen beisetzen können. In einigen Fällen sei die Beerdigung bereits geplant gewesen und musste verschoben werden, was extrem belastend für die Trauernden sei, wie einer der Anwälte der Hinterbliebenen sagte.

Am Donnerstag treffen Angehörige der Opfer in Paris den leitenden französischen Staatsanwalt Brice Robin. Bei dem Gespräch, das im Außenministerium in Paris stattfinden wird, werden die Hinterbliebenen über den Stand der Ermittlungen informiert.

In der vergangenen Woche hatte Robin gesagt, dass Andreas Lubitz, der das Flugzeug zum Absturz brachte, vor seiner Tat bei Dutzenden Ärzten in Behandlung gewesen war. Lubitz informierte seinen Arbeitgeber den bisherigen Ermittlungen zufolge über eine 2009 diagnostizierte schwere Depression, die anschließend jedoch abgeklungen sei. Wegen dieser psychischen Erkrankung musste er damals seine Flugausbildung unterbrechen. In den Jahren danach wurde ihm von Flugärzten mehrfach die volle Flugtauglichkeit attestiert. Allerdings war in seiner Akte festgehalten, dass er sich regelmäßigen medizinischen Untersuchungen unterziehen musste.

Die Beerdigungen der Toten in Haltern am See werden in den kommenden Tagen jeweils im engen Familienkreis stattfinden. Auf dem städtischen Friedhof entsteht derzeit eine Gedenkstätte. Im Schulgebäude hängen bereits die Bilder der toten Schüler und der beiden Lehrerinnen. Vor der Schule sind 18 Bäume zur Erinnerung gepflanzt.

© SZ.de/dpa/olkl/dayk

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite