Schiffsunglück:Indonesien startet große Suchaktion nach vermisstem U-Boot

Seit Mittwoch wird nördlich von Bali das Boot mit 53 Mann an Bord vermisst. Mit internationaler Hilfe wird nach ihm gesucht. Der Sauerstoff für die Besatzung dürfte höchstens bis Samstag reichen.

Von Alexander Menden

Rund 72 Stunden reicht der Sauerstoff. Spätestens wenn dieser Zeitraum verstrichen ist, muss das seit dem vergangenen Mittwoch vermisste indonesische U-Boot KRI Nanggala (402) wieder auftauchen. Es müsste also bis diesen Samstagmorgen geborgen sein, wenn die 53 Menschen an Bord noch eine Überlebenschance haben sollen. Das knapp 60 Meter lange, 1977 in Kiel vom Stapel gelaufene U-Boot der Klasse 209 hatte am frühen Mittwochmorgen während einer strategischen Übung, bei der Torpedos getestet werden sollten, den Kontakt mit den übrigen Schiffen verloren. Da befand es sich nach Angaben der indonesischen Marine zirka 95 Kilometer nördlich von Bali.

Es wird vermutet, dass sich die KRI Nanggala, eins von derzeit fünf U-Booten in indonesischen Diensten, ungefähr 700 Meter unter der Wasseroberfläche befindet. Demnach könnte es beim Tauchvorgang einen Ausfall der Bordgeräte und einen Blackout gegeben haben, sodass die Besatzung nicht die entsprechenden Notmaßnahmen einleiten konnte und das Boot unkontrolliert sank. "Das Boot ist für Tiefen von 250 bis 500 Metern ausgelegt", sagte Marine-Sprecher Admiral Julius Widjojono laut Medienberichten. "Alles, was darüber hinausgeht, ist gefährlich."

Der indonesische Präsident Joko Widodo verkündete, er habe dem Militärchef, dem Stabschef der Marine sowie Such- und Rettungsdiensten befohlen, "alle Kräfte einzusetzen, um die U-Boot-Besatzung zu finden und zu retten". Deren Sicherheit habe absolute Priorität, so Widodo laut der Zeitung Jakarta Post. 21 Kriegsschiffe sowie zivile Schiffe mit Sonartechnik wurden von Indonesien zur Rettung entsandt. Admiral Yudo Margono, Stabschef der Marine, sagte, das derzeit herrschende ruhige Wetter begünstige die Suche. Das U-Boot, das Ende der 70er-Jahre von Howaldtswerke-Deutsche Werft in Kiel gebaut wurde, sei zuletzt 2012 in Südkorea gewartet worden, habe sich vor der Seeübung in einem "guten Zustand" befunden und sei "kampfbereit" gewesen.

Verdächtiger Ölteppich

Experten schließen allerdings nicht aus, dass es schon auseinandergebrochen ist. Bei einem Überflug wurde ein Ölteppich in der Nähe des letzten bekannten Tauchplatzes der KRI Nanggala gesichtet. Er könnte laut indonesischer Marine auf eine Beschädigung des Schiffes hinweisen, aber möglicherweise auch ein Signal der Besatzung sein.

Zahlreiche Länder haben bereits Schiffe zur Unterstützung der Such- und Bergungsaktivitäten entsandt. So schickte die Regierung Singapurs bereits am Mittwoch das Rettungsschiff Swift Rescue in die Gewässer zwischen Bali und Java, in denen das U-Boot vermutet wird. Malaysia, Australien, Indien und die USA haben ebenfalls Hilfe angeboten oder bereits Maßnahmen ergriffen.

Die Ausrüstung der indonesischen Streitkräfte ist zum Teil jahrzehntealt; laut Jakarta Post ist es daher in der jüngeren Vergangenheit immer wieder zu tödlichen Unfällen gekommen. Indonesiens Verteidigungsminister Prabowo Subianto räumte ein, dass das Land seine Verteidigungsausrüstung "schneller modernisieren" müsse. Mit dem vermissten U-Boot habe es bisher aber keinerlei Probleme gegeben.

Zur SZ-Startseite

Französische Marine
:In 2370 Metern Tiefe

Das Marine-U-Boot "Minerve" galt als unsinkbar - und verschwand 1968 mit 52 Mann an Bord spurlos vor der französischen Mittelmeerküste. Dass nun das Wrack gefunden wurde, ist auch ein Verdienst der Angehörigen - und heizt die Spekulationen über das Unglück erneut an.

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB