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U-Bahn in New York:Breitbeinig oder mit Buch?

Breitbeinige Männer in der New Yorker U-Bahn

Breitbeinige Männer in der New Yorker U-Bahn.

(Foto: dpa)
  • Mit Plakaten in U-Bahn-Wagen geht die New Yorker Verkehrsbehörde MTA gegen das "manspreading" vor - breitbeinig Bahnfahren.
  • Die Kampagne sorgt im Netz für Aufsehen, ebenso wie der Instagram-Account "Hot Dudes Reading".
  • "Manspreading" ist bei weitem nicht das größte Problem in der New Yorker U-Bahn.

"Er ist wie der heißeste englische Professor meiner Träume, nur mit schöneren Haaren", steht unter einem Foto. "Heirate mich" unter einem anderen. Was die Bilder gemeinsam haben? Sie zeigen gutaussehende Männer beim Lesen in der New Yorker U-Bahn. 100 000 Fans hatte der Instagram-Account "Hot Dudes Reading" in nur einer Woche. Ein wenig wirken die Fotos wie eine Gegenkampagne für männliche Passagiere in der New Yorker U-Bahn. Denn die haben seit der Debatte um "Manspreading" einiges abbekommen.

"Manspreading" nennen die Amerikaner das extrem breitbeinige Sitzen von Männern in öffentlichen Verkehrsmitteln. In den meist überfüllten Wagen der New Yorker U-Bahn, die von etwa sechs Millionen Passagieren am Tag benutzt wird, sind insbesondere Frauen vom exzessiven "manspreading" zunehmend genervt. Viele glauben, dass die Männer ihre Beine absichtlich als Zeichen von Macht und Dominanz ausbreiten.

Plakate der Verkehrsbehörde

"Es macht mich verrückt", sagte etwa die Schauspielerin Kelley Rae O'Donnell in der New York Times. "Ich entdecke mich dabei, wie ich diese Männer anstarre, weil es in dieser überfüllten Stadt einfach so rücksichtslos ist." Besonders breitbeinig sitzende Männer fotografiert O'Donnell und veröffentlicht die Bilder bei Twitter. Und sie spricht die Männer an. "Aber da bekomme ich meistens nur ein Gemurmel oder komplette Ablehnung zurück."

Seit kurzem hat O'Donnell die New Yorker Verkehrsbehörde MTA auf ihrer Seite. Mit Plakaten in etwa 2600 U-Bahn-Wagen geht die MTA gegen das "manspreading" vor. "Dude ... Stop the Spread, Please" (auf Deutsch etwa: "Junge, lass das Ausbreiten") steht darauf. Neben der Schrift ist ein rotes Strichmännchen zu sehen, das breitbeinig auf einer U-Bahn-Bank sitzt, während zwei graue Strichmännchen eingequetscht daneben stehen.

Welche Probleme es in der Metro noch gibt

Die Kampagne solle die New Yorker zu besseren Manieren beim U-Bahn-Fahren anregen, sagt MTA-Chefin Carmen Bianco. "Höflichkeit ist immer wichtig, aber sie bekommt noch größere Bedeutung mit der wachsenden Zahl der Passagiere." Auch die Verkehrsbehörden anderer US-Städte wie Seattle und Philadelphia gehen inzwischen mit Plakaten gegen das "manspreading" an. Die Kampagnen lösten im Internet einen derartigen Wirbel aus, dass das Wort "manspreading" es sogar in die Endauswahl der Amerikanischen Gesellschaft für Sprache zum Wort des Jahres 2014 schaffte.

In New York stößt die Kampagne gerade bei Frauen auf breite Zustimmung. Viele Männer wehren sich dagegen und werfen den Frauen vor, sich ebenfalls übermäßig auszubreiten - ob mit Einkaufstaschen oder übereinandergeschlagenen Beinen. Männer wie Frauen sind sich allerdings einig, dass "manspreading" bei weitem nicht das größte Problem in der New Yorker U-Bahn ist.

"Ich habe wirklich einmal einen Mann beobachtet, der Gummihandschuhe angezogen, eine Büchse Sardinen geöffnet und sie dann in der U-Bahn gegessen hat", sagte Yana Ivanov der New York Times. Erica Herd berichtete von einem Mann, der sich die Fingernägel schnitt. "Seine Nägel flogen wie Raketen durch die ganze U-Bahn. Die anderen Passagiere und ich haben uns gleichzeitig gebückt und gelacht."

New Yorker wollen Problem selbst in die Hand nehmen

Neben dem - insbesondere geruchsintensiven - Essen und der Körperpflege beschwerten sich die Passagiere nach Angaben der MTA besonders über laute Musik, das Blockieren von Türen und akrobatische Übungen an Haltestangen. Auch gegen all diese Unhöflichkeiten geht die Verkehrsbehörde deswegen seit kurzem mit Plakaten vor. Aber Plakate hin oder her - viele New Yorker plädieren dafür, die Problemlösung einfach selbst in die Hand zu nehmen.

"Das hier ist New York City - ein pulsierender Ort voller Persönlichkeiten und merkwürdiger Menschen", sagte Neil aus Brooklyn der New York Times. "Wenn jemand seine Beine ausbreitet, geh rüber, frage ihn 'macht es dir etwas aus?' und dann setze dich daneben. Wenn derjenige sich zu sehr ausbreitet, drückst du ihm einfach deinen Ellbogen in die Seite."

© SZ.de/dpa/afis/dayk/jana

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