Süddeutsche Zeitung

U-Bahn-Attacke in Berlin:Das Opfer spricht

Markus P., Opfer der brutalen Prügelattacke am Berliner U-Bahnhof Friedrichstraße, äußert sich zu dem Angriff - und bedankt sich bei seinem Retter aus Bayern.

Auf den Bildern der Überwachungskamera liegt Markus P. am Boden, krümmt sich immer mehr unter den Tritten seines Peinigers. Ein geprelltes Jochbein, eine verletzte Nasenscheidewand sowie ein Schädel-Hirn-Trauma dritten Grades lautet die Diagnose im Krankenhaus. "Die Ärztin sagte, wenn er nicht auf dem Gesicht gelegen hätte, wären die Verletzungen schlimmer gewesen", erzählt die Mutter des Opfers dem Berliner Kurier.

Von dem Angriff weiß Markus P. nichts mehr: "Ich kann mich an nichts mehr erinnern", sagte der 29-Jährige, der am Ostermontag aus dem Krankenhaus entlassen wurde, dem Blatt. Wirklich begriffen hat er bis jetzt nicht, welche Gewalt ihm widerfuhr: "Auf jemanden so einzutreten, obwohl man sich gar nicht mehr rührt, ist unbegreiflich", so der Gas-Wasser-Installateur. Das Überwachungsvideo habe er sich kein zweites Mal ansehen können.

"Ein Leben retten kann einfach sein"

Seine Rettung verdankt Markus P. einem Touristen aus Ederheim im bayerischen Landkreis Donau-Ries. Der 21-jährige Georg B. wartete zur Tatzeit mit einem Freund auf dem Bahnsteig, nur wenige Meter von Markus P. entfernt. Auf dem Bahnsteig hörte er laut Berliner Zeitung die Pöbeleien und griff sofort ein: "Als ich sah, wie der eine auf ihn eintrat, habe ich den einfach weggezogen". So konnte er seinen Schützling vor Schlimmerem bewahren. "Er hat mir das Leben gerettet", sagt P. über seinen Retter. Der gibt sich jedoch bescheiden: "Ich hoffe, die Leute da draußen zu erreichen, die einfach wegschauen. Ein Leben retten kann einfach sein, wenn man hilft", zitiert das Blatt den 21-Jährigen.

Die beiden 18-jährigen Täter stellten sich noch am Wochenende freiwillig der Polizei und legten ein umfassendes Geständnis ab. Der Haupttäter räumte ein, betrunken gewesen zu sein und das Opfer aus reiner Streitlust zufällig ausgesucht zu haben. Nach eingehenden Vernehmungen sind beide wieder auf freiem Fuß.

Markus' Mutter zeigt wenig Verständnis dafür, dass die beiden Täter freigelassen wurden: "Wie kann es sein, dass solche Täter wieder nach Hause dürfen, ein Steuersünder dagegen eingesperrt wird", klagt sie im Berliner Kurier an.

Der Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft begründete die Haftverschonung damit, dass keine Fluchtgefahr bestehe. Der 18-Jährige lebe noch bei den Eltern. "Wir gehen davon aus, dass er sich dem Verfahren stellt und sich an die Auflagen hält." Der Schüler war bisher bei der Polizei nicht aufgefallen.

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